Philosophische Tagesmails

Tanz des Aufruhrs XIII,

Tagesmail - Freitag, den 17. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XIII,

eine religiöse Nation entschied sich gegen Humanität und enthüllte das Geheimnis ihrer Nächstenliebe – als selbstsüchtige Eigenliebe, die ihren unversehrten Leib fürs Jenseits bewahren muss.

Das apostolische Glaubensbekenntnis deklariert:
„Ich glaube ... an die Auferstehung des Fleisches.“

Das Wort ward zum Fleisch, damit das Fleisch zum ewigen Wort werden kann:

„Die Seele geht Gott entgegen und wartet darauf, "einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint" zu werden. Die vom Leib getrennte Seele ist kein "vollständiger Mensch". Der Mensch ist nur (vollständiger) Mensch, wenn Seele und Leib vereint sind. Und das geschieht wieder bei der "Auferstehung des Fleisches". "Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint."“

Nur vordergründig ging es in der Abstimmung des Bundestages um Organspenden. In Wirklichkeit ging es um eine demonstrative Bestätigung der BRD als christliche Nation. Deshalb die ganz freie Form der Abstimmung, ohne Fraktionszwang. Niemand sollte sagen können, die Parteiführungen hätten ihre Gefolgschaft zum Glaubensbekenntnis gezwungen.

„Nach allgemeiner Lehre wird der Leib in voller Unversehrtheit auferstehen, frei von Missbildungen, Verstümmelungen und Gebrechen. Thomas von Aquin lehrt: „Der Mensch wird in der größten natürlichen Vollkommenheit auferstehen“, darum wohl im Zustand des reifen Alters. Zur Integrität des Auferstehungsleibes gehören auch die Organe des vegetativen und des sensitiven Lebens einschließlich des ...

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Tanz des Aufruhrs XII

Tagesmail - Mittwoch, den 15. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XII,

"Trump sagt, was ist.“ (BILD.de)

Die Transformation ist geglückt. Der Trumpismus ist in Deutschland angekommen. In johanneischem Beamtendeutsch: das Wort ist im Springerverlag zu Fleisch geworden – vollinhaltlich.

Trumpismus, eine taktische Synthese aus christlichem Fundamentalismus und ultraorthodoxem Judentum, begann unter Reagan als Rückschlag gegen den vorbildlichen Nachkriegsgeist jenes Amerika, der das deutsche NS-Regime dem Erdboden gleichgemacht hatte. Zurück zum Gründergeist jener ersten Siedler, die den neuen Kontinent als zweites Gelobtes Land, als Gods own country, als Goldenes Jerusalem oder Landeplatz des kommenden Messias erlebten.

Taktisch ist die Synthese, weil sie zerbrechen wird, wenn Christen es nicht länger ertragen werden, dass Juden ihrem Glauben fernbleiben und damit die Ankunft des christlichen Messias blockieren.

Amerika, Sprössling Europas, seit Entdeckung des Kontinents bis heute der falschen Meinung, den Defekten Europas entkommen zu sein, leidet unter derselben Bewusstseinsspaltung wie das Abendland: es wird beherrscht von einer unvereinbaren Mixtur aus heidnischer Autonomie und gläubiger Fremdbestimmung.

Mit Hilfe griechischer Intelligenz hatte das Abendland den Versuch unternommen, die Heils- und Unheilsgeschichte der Offenbarung in Form eines alle Grenzen sprengenden Fortschritts in irdische Realität zu verwandeln. Der Glaube an ein Jenseits wurde zur selbsterfüllenden Prophezeiung im Diesseits.

Da die Eroberung der Welt durch grenzenlose Naturvernichtung nur gelingen konnte, indem die naturfreundliche Moral der Griechen aus dem Weg geräumt wurde, musste etwas Besseres an ihre Stelle treten: a) der Glaube an eine neue Natur, der ...

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Tanz des Aufruhrs XI

Tagesmail - Montag, den 13. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XI,

der amerikanische Verteidigungsminister widerspricht seinem Dienstherrn im Weißen Haus:

„Dem amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper lagen keine konkreten Beweise dafür vor, dass der iranische General Qasem Soleimani plante, vier US-Botschaften anzugreifen.“ (SPIEGEL.de)

Den Widerspruch nennt der SPIEGEL eine Relativierung. Eine Relativierung ist eine Abschwächung. Streng genommen wirft Esper dem Präsidenten fahrlässige Unwissenheit oder zynisches Lügen vor. Vermutlich letzteres.

Vor kurzem wäre das ein unfasslicher Vorgang gewesen, der zum Rücktritt des Ministers – im unwahrscheinlichen Fall sogar zum Rücktritt des US-Präsidenten hätte führen können. Nicht mehr heute, wo Kollege Zeitgeist – der diskrete Vordenker der Moderne – das Gewand gewechselt hat.

Zeitgeist? „Es kann niemand seine Zeit überspringen, der Geist seiner Zeit ist auch sein Geist.“

Hegels Definition hat eine entscheidende Schwäche. Kann niemand den Zeitgeist überspringen, müsste jeder das Gleiche denken. Danach sieht‘s weniger aus. Entweder gibt es viele Zeitgeister, die die konträren Denkweisen verursachen oder einen führenden Zeitgeist, der im kakophonen Konzert von anderen übertönt wird und von Eliten per ordre de mufti zum bestimmenden ausgerufen wird.

Das ist die Ideologie heutiger Intellektueller und Medien, die sich für die wahren Zeitgeistentdecker und -propagandisten halten. Alle, die sich ihrem Spruch nicht fügen, werden von ihnen zu Hinterwäldlern, Abgehängten oder Losern degradiert.

Der Zeitgeist hat immer Recht. Er ist, nach Hegel, der Geist Gottes, der sich im Verlauf der Geschichte über viele Widersprüche hinweg zur vollen Offenbarung der Wahrheit am Ende der Zeiten entfalten wird. Nicht von Anfang an ist er in ...

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Tanz des Aufruhrs X

Tagesmail - Freitag, den 10. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs X,

„Niemand will Krieg und trotzdem könnte es dazu kommen.“ (Sigmar Gabriel)

Jeder will Krieg, der nicht alles unternimmt, um den Krieg zu verhindern.

Jeder will Krieg, der nicht alles für den Frieden tut.

Jeder will Krieg, der es darauf ankommen lässt, um nach der Katastrophe - wenn er sie überlebt - mit den Schultern zu zucken: Sorry, das wollten wir nicht.

Jeder will Krieg, der sich als schuldunfähiger Schlafwandler definiert und dazu singt: Que sera, sera.

Was wird sein?
Was auch immer sein wird, wird sein.
In die Zukunft zu schauen, ist nicht unsere Sache.
Was wird sein?
Was sein wird, wird sein.

Jeder will Krieg, der Zukunft als unbeeinflussbares Geschick betrachtet und nicht als Ergebnis menschlicher Taten. In die Zukunft können wir nicht schauen, aber wir können handeln, als ob wir sie bestimmen könnten. Das können wir, wenn wir unsere Gegenwart bestimmen und nichts dem Zufall überlassen. Dann hat die Zukunft keine Chance mehr, sich anders zu entwickeln, als wir wollten.

Jeder will Krieg, der an Zufall oder höhere Mächte glaubt, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Jeder will Krieg, der den Menschen als heillos-kriegerisches Wesen betrachtet, ...

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Tanz des Aufruhrs IX

Tagesmail - Mittwoch, den 08. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs IX,

„Trumps Amerika vergeudet nicht Krisenzeit mit Verbündeten, die außer wohlfeilem Rat wenig beizutragen haben, wenn etwas als Ernstfall empfunden wird.“ (WELT.de

WELT-Trumpisten vergeuden keine Zeit mit Friedensgesäusel – das man ohnehin nirgendwo hört. Man hört Warnungen oder nichts. Ist das Kind in den Brunnen gefallen, kommen wohlfeile Ratschläge immer zu spät.

Wohlfeil ist nicht nur „billig“, sondern „geistlos, ohne intellektuelles Niveau“. Und siehe, das macht Sinn, denn Trumps Kreuzzug zur Rettung von Gods own country ist teuer, wird jeden Tag teurer und ist vor allem von höchstem Niveau. Nicht zuletzt beim erhöhten Ausstoß von CO2. Gegen Trumps geistsprühenden Intellekt kommt Europa nicht an.

Schon gar nicht Deutschlands fromme Alt-Mädels, die nichts sehen, nichts hören und nichts zu sagen haben: Ursula, Angela und Annegret. Sie gehen nicht vor die Kameras, erklären nichts, nehmen keine Stellung und verraten nicht, was sie zu tun gedenken. Angela telefonierte gar mit Donald, verschwieg aber, was sie ihm zu sagen hatte.  

Hier ein billiger, pardon, wohlfeiler Vorschlag:

„Meinet nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf Erden zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“

Und also machten sie sich auf in den Vorderen Orient, um die heiligen Lande der Weltgeschichte vor den Ungläubigen zu retten. Sie wollten ihr Leben finden, weshalb sie es verlieren mussten.

Deutschland hatte den Frieden von seinen Befreiern als Geschenk erhalten, weshalb er ihnen von Jahr zu Jahr wohlfeiler wurde. Was nichts kostet, kann nicht viel ...

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Tanz des Aufruhrs VIII

Tagesmail - Montag, den 06. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs VIII,

’s ist Krieg! ’s ist Krieg
Gottlob, ‘s ist Krieg,
und wir begehren,
daran beteiligt zu sein.
’s ist gottlob Krieg und wir begehren,
Schuld daran zu sein.

Ohne Schuld ertragen wir das Leben nicht. Welch eine Qual, mit einem schuldlosen Leben bestraft zu werden. Nur Feinde können uns frohgemute irdische Tage wünschen. Wer sein Leben in Schuld verbringen darf, um mit Gott in Verbindung zu treten, der muss das Schlimmste fürchten, wenn er zu einem unbeschwerten Erdendasein verurteilt wird.

Wer seine Last tragen darf, um sie vor dem Himmel zu bereuen, der ist ein Begnadeter: in seinem Leben muss er sich mit seelischem Ballast nicht länger auseinandersetzen.

Schuld war ursprünglich ein Gefühl des Versagens. Wir hätten ein besseres Leben führen können, warum führten wir es nicht?

Wer ein besseres Leben führen will, muss die Ursachen seiner Schuld ergründen und lernen, immer schuldloser zu leben. Wer seinem Lernen nicht vertraut, der muss zu Priestern und Göttern gehen, um seine Schuld loszuwerden: durch erkenntnislose Opfer oder Selbstkasteiung.

Wer seine Fehler erkennen und aus eigener Kraft verändern will, der braucht keine Altäre und Götter. Er muss autonom erkennen, wo er seinen Mitmenschen ...

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Tanz des Aufruhrs VII

Tagesmail - Freitag, den 03. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs VII,

Nu denchent wib unde man, 
war ir sulint werdan. 
Eine churza wila sund ir si han.
Ir wanint iemer hi lebint. 
Tu muozust uns gebin ten sin           
Daz wir die sela bewarin. 
Wanda wir dur not hinnan solen uarn. 

Nun, denket alle, Weib und Mann,
Was aus euch soll werden dann.
Nur kurze Frist ist euch gewährt.
Ihr wähnt hier immer zu leben.
Du müssest uns geben den rechten Sinn
Dass wir die Seele bewahren. 
Wenn wir aus Not von hinnen fahren.

 

 

(Memento mori von Notker, 11. bis 12. Jahrhundert,

(Memento mori von Notker, 11. bis 12. Jahrhundert, alemannisch)

Ein göttliches Du, welches uns den rechten Sinn geben kann, existiert nicht und die Bewahrung der Seele wird nicht genügen, denn sie hängt hartnäckig am Fleisch.

Dennoch muss die nächste Dekade unter die schärfsten aller Kriterien gestellt werden: Memento mori und sub specie aeternitatis: „Gedenke des Todes“ und „Unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“.

Tod nicht als individuelles Ende, Ewigkeit nicht als Jenseits, das die irdische Vergänglichkeit als Vanitas lästert.

Vanitas („leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet (Prediger Salomo) im Alten Testament ausgesprochen wird: „Es ist alles eitel.“

Menschen, lebet, als ob Ihr bald sterben müsstet. Der Tod des Einzelnen ist zur nostalgischen Belanglosigkeit geworden. Es geht um uns alle.

Gevatter Tod ist technisch versiert und auf der Höhe des Fortschritts, er lauert auf die Menschheit als Gattung. Als ob wir bald sterben müsstenheißt, niemand weiß ...

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Tanz des Aufruhrs VI

Tagesmail - Montag, den 30. Dezember 2019

Tanz des Aufruhrs VI,

„Warum es so viel Leiden, so kurzes Glück nur gibt?
Dass nicht vergessen werde, was man so gerne vergisst:
Dass diese arme Erde nicht unsere Heimat ist.“ (B: Gesius 1603)

Es gibt keine Rechte, keine Linke und keine Mitte.

Es gibt Demokraten und Nichtdemokraten, Menschenfreunde und Menschenfeinde, Selbstbestimmte und Ferngelenkte, Liebhaber der Heimat Erde und Feinde der Erde, die nach dem Himmel schmachten und sich fieberhaft auf Kosten der Erde davonmachen.

Entweder ist es wahr, dass die Erde bedroht ist oder es ist nicht wahr.

Ist es nicht wahr, lasst uns weiter prassen und schwelgen, kreativ und produktiv, fortschrittlich und futuristisch sein, bis alle Wälder der Erde brennen und der Rauch uns die Sinne benebeln wird – und Elon Musk sich freuen darf, dass er es auf den Mars geschafft hat, um das gleiche Spektakel von vorne zu beginnen.

„Es gibt drei Arten von Feuer. Das australische Sydney ist schon seit Wochen in dichten Rauch gehüllt; viele haben sicherlich Bilder der Buschbrände gesehen und auch das berühmte Opernhaus unter dieser Dunstglocke. In vielen Häusern gehen die Rauchmelder an, die Menschen können so buchstäblich das Feuer hören. Aber es sind nicht die Gebäude, die brennen, es ist der Rauch, der in das Gebäude eindringt und den Alarm auslöst. Wenn das keine Metapher dafür ist, dass „unser Haus in Flammen steht“, dann weiß ich es auch nicht.“ (Naomi Klein in freitag.de)

Ist es aber wahr, dass die Erde bedroht ist: lasst uns zusammenstehen, die beglückende Gegenwart der Natur gemeinsam suchen und alle Kräfte einsetzen, um das planetarische Malheur in der letzten Sekunde abzuwenden.

Wir können die Erde nur retten, wenn wir die Wahrheit ihrer Bedrohung anerkennen.

Wir können die Wahrheit nur anerkennen, wenn wir ihre Sprache sprechen. Die Sprache der Wahrheit formuliert die Erkenntnis der Dinge schnörkellos, direkt und ...

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