Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt LXXI

Tagesmail - Freitag, den 01. Februar 2019

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BILD-Reichelt zeigte, dass selbst der Springer-Verlag lernfähig ist:

„Wir alle hoffen, dass Sie die moralische Standfestigkeit besitzen, weiterhin für Toleranz und Inklusivität, Menschlichkeit und Freiheit, kurzum, für die wahre Demokratie zu kämpfen“
schrieb er in einem flammenden Plädoyer zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit beredten Worten bereute er den bisherigen Kampf seines Verlages gegen Moral. Ohne moralische Widerstandskraft sei Politik schutzlos gegen alle Verbrechen dieser Welt. Moral zur Moralkeule zu dämonisieren sei eine Verwerflichkeit seines Hauses gewesen und werde sich ab jetzt grundlegend verändern. Alle MitarbeiterInnen des Verlags werden verpflichtet, Kurse in demokratischer Ethik zu besuchen, um die bisherige innere Hohlheit und Verworfenheit von WELT & BILD zu erkennen und sich zukünftig zu wehrhaften Demokraten zu entwickeln. Demokratie sei eine hochmoralische Erfindung der Griechen, die durch amoralischen Zynismus nur zugrunde gerichtet werden könne. Zerknirscht müsse er zugestehen, dass mediale Schlechtmenschenkohorten der deutschen Republik großen Schaden zugefügt hätten.
Kein Widerständler im Dritten Reich sei denkbar gewesen ohne Kompass menschlichen Anstands. Reichelt erinnerte an Hans von Dohnanyi, „der noch im April 1945 hingerichtet wurde, weil er Juden zur Flucht verholfen hatte. Warum er das im Wissen der drohenden Todesstrafe getan hatte? "Es war einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen".
Es gebe nur eine Lehre aus Auschwitz: Nie wieder – amoralisch und menschenfeindlich.

Das war ein Appell der Kategorie „Wunder gibt es immer wieder – nur nicht bei BILD“.
Denn der Appell gehört zum Genre Fake News. Es war nicht Reichelt, sondern der jüdische Historiker Saul Friedländer, aus dessen Bundestags-Rede hier zitiert wurde.
(SPIEGEL.de)

Auch der Bundestagspräsident fand deutliche Worte am Erinnerungstag der deutschen Schande:

„Keine Nation könne sich ihre Geschichte aussuchen oder sie abstreifen. „Geschichte ist die Voraussetzung der Gegenwart und der Umgang mit ihr ist die Grundlage ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXX

Tagesmail - Mittwoch, den 30. Januar 2019

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Sloterdijk, Habermas, Enzensberger, Walser, Handke, Sarrazin, Hans Werner Sinn, Alice Schwarzer, Messner (15), Stefan Aust und Clemens Fuest (17!!), Spitzer (23), Hüther (29), Giovanni di Lorenzo (33), Jan Böhmermann (40), Döpfner (80), Wickert (105), Schellnhuber (110).

Die Bestenliste deutscher Dichter und Denker. „Erstellt hat „Cicero“ die Liste anhand der Häufigkeit, mit der die Kandidaten in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sowie im Internet zitiert wurden. Politiker wurden dabei nicht berücksichtigt. Der Trend im Ranking gehe „von Dichtern zu Denkern“, so „Cicero“-Chef Christoph Schwennicke. (BILD.de)

Sarrazin – ein messerscharfer Denker? Schellnhuber, Ökoberater der deutschen Regierung – abgeschlagen. Walser, Liebhaber Karl Barths und der lesbaren Gesichtszüge Merkels. Neoliberale Ökonomen – die besten Denker. Wer war Handke nochmal? Und wo lassen Aust und Döpfner denken?

Demokrit und Aristoteles hätten unter diesen Koryphäen keine Chance mehr. Und welche überirdischen Denker haben die Liste erstellt – nach welch göttlichen Kriterien? Unter ihnen Cicero-Chef Schwennicke, Platz 472. Müssten sie nicht die besten aller besten Denker sein, wenn sie unsere Geistesriesen punktgenau aufreihen können?

In den Medien werden Experten zu Themen der Zeit befragt – von wem? Von Experten, die die Kompetenz der Experten beurteilen können? Dann wären sie auf externe Experten gar nicht angewiesen!?

Wenn es um Gerechtigkeitsfragen geht, werden stets Ökonomen befragt, die Gerechtigkeit für Mumpitz halten. Wenn es um die psychische Verfassung der Gesellschaft geht, werden stets Ökonomen befragt, die mit Zahlen beweisen, wie es der Gesellschaft gefälligst – gehen müsste. Wehe, wenn nicht; dann simuliert sie. Linke Ökonomen werden nie als Experten vorgestellt, sondern als einseitige ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXIX

Tagesmail - Montag, den 28. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXIX,

Kinder retten die Welt. Das darf sich die Welt nicht gefallen lassen.

Sie will nicht gerettet werden. Schon gar nicht von Neunmalklugen, die grün hinter den Ohren sind. Die WELT hasst calvinistisch ferngesteuerte Tugend- und Engeldarsteller, die sich anmaßen, den Erwachsenen den richtigen Weg zu weisen. Ulf Poschardt wütet über auserwählte Bälger, „die wissen, was richtig und falsch ist, die gut sind, alles besser wissen und keine Probleme haben, sich über die sündigen anderen stellen.“

„Die Auserwählten sind von weltlichen Pflichten befreit. Der Schulpflicht zum Beispiel. Da propagieren grüne Politiker eine Demonstration junger Menschen, die freitags – anstatt naturwissenschaftliche Grundlagen zu büffeln – Plakate hochhalten, die jene Schüler zu Erfüllungsgehilfen der Auserwählten machen. Damit wird der Staat zum Organ des Vollzugs der auserwählten Moral. Böller nerven? Verbieten. Vermieter nerven? Enteignen. Freunde der Überholspur nerven? Staatlich einbremsen. Von den verklemmten Prüderien im Dunstkreis von #metoo und Gendersternchen ganz zu schweigen.“ (WELT.de)

Kinder sollen büffeln, sich aus den Angelegenheiten der Erwachsenen raushalten. Naturwissenschaften sollen sie pauken, damit das Vaterland nicht den Anschluss an China verliert. Demokratie einüben? Schnauze halten ist angesagt. Poschardt liegt auf einer Linie mit dem australischen Premierminister Scott Morrison, der die Order ausgab:

„Wir wollen mehr Lernen und weniger Aktivismus in der Schule. Die Kinder sollten zur Schule gehen.“

Greta Thunberg erwiderte via Twitter: „Sorry, Mr. Morrison. Können wir nicht erfüllen.“

Das ist Revolution. Die Kinder der Welt stehen auf gegen ihre Autoritäten. Sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXVIII

Tagesmail - Samstag, den 26. Januar 2019

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Die Rede der 16-jährigen Greta Thunberg vor den Mächtigen der Welt in Davos:

„Unser Haus steht in Flammen.

Ich bin hier, um zu sagen: Unser Haus steht in Flammen.

Laut Weltklimarat sind wir nur noch zwölf Jahre davon entfernt, unsere Fehler nicht mehr rückgängig machen zu können.

An Orten wie Davos erzählen die Leute gerne Erfolgsgeschichten.

Aber ihr finanzieller Erfolg kam mit einem nicht vorstellbaren Preisschild.

Beim Klimawandel müssen wir zugeben: Wir haben versagt.

Alle politischen Bewegungen sind gescheitert.

Und die Medien haben versagt, ein breites öffentliches Bewusstsein zu schaffen.

Doch der Homo Sapiens hat noch nicht versagt.

Es bleibt noch Zeit. Wir können das noch reparieren.

Wir haben es noch immer in den eigenen Händen.

Wir stehen vor einem Desaster mit unaussprechlichem Leid für viele Menschen.

Jetzt ist nicht die Zeit, um höflich zu reden oder darauf zu fokussieren, was wir sagen dürfen und was nicht.

Jetzt ist die Zeit, Klartext zu sprechen.

Die Klimakrise zu lösen, ist die größte und komplizierteste Herausforderung, die es für den Menschen je gab.

Die Lösung aber ist so einfach, dass sie auch ein Kleinkind verstehen kann.

Erwachsene sagen, wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben.

Aber ich will eure Hoffnung nicht.

Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet.

Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.

Und dann möchte ich, dass ihr handelt. Wie in einer Krise.

Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus in Flammen stehen.

Denn es brennt.“

Fußnote: Die deutsche Schulpflicht verbietet es, den Unterricht zu versäumen, um die Menschheit zu retten.

 

Sofort, Hier und Jetzt LXVII

Tagesmail - Mittwoch, den 23. Januar 2019

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folgenloses Knutschen oder: wir lieben uns, doch wir werden keine Spuren hinterlassen.

Die Rede ist von Merkel und Macron. Schaut nur, welch ein Verhältnis sie haben – doch mit Kondompflicht: Folgen darf es keine geben. Vom tapferen Ritter Emmanuel Frederic von Amiens ist ein ergreifendes Minnelied überliefert:

„Ich soll den Mond um seinen Glanz
Berauben, ehe sie mich liebt;
Umgraben auch die Erde ganz,
Bevor sie Minnelohn mir gibt.

Sie war bei mir wohl auf der Hut,
Die Reine,
Die Feine!
Denn außer Gott alleine
Kennt niemand sonst die Eine,
Die Herrin, die ich meine!“

Die Antwort der holden Pfalzgräfin Angela aus Aachen kam mit einem verschwiegenen Postillon d’amour:

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

Kern Europas ist das deutsch-französische Verhältnis. Doch wie sollen die europäischen Völker zusammenkommen, wenn die Herzen der beiden ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXVI

Tagesmail - Montag, den 21. Januar 2019

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in skandalösen Zeiten müsste der Begriff Skandal inflationär benutzt werden, um die Zeiten sachgerecht darzustellen. Würde er aber inflationär benutzt, wäre er morgen verbraucht und landete als Plastik-Müll an den Stränden von Malaysia.

Der Skandal des Jahres, des Jahrzehnts, der Jahrhunderte, des gesamten Fortschritts und der Moderne:

Was verdienen (verdienen tun sie es nicht: sie kassieren) die Superreichen mehr? Nur lumpige 2,5. 2,5 was? Milliarden. Täglich.

„Das Vermögen der Milliardäre stieg laut dem Ungleichheitsbericht um durchschnittlich 2,5 Milliarden Dollar pro Tag. Die statistisch gesehen ärmere Hälfte verlor 500 Millionen Dollar je Tag. Auch in Deutschland habe sich die Lage nicht verbessert – nötig seien ein höherer Mindestlohn sowie eine stärkere Belastung von Vermögenden, Konzernen, Erbschaften und hohen Einkommen. Besonders Frauen und Mädchen sind laut dem Bericht von sozialer Ungleichheit bedroht. So besäßen Männer im globalen Durchschnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Zudem hätten Frauen wegen unbezahlter Arbeit wie Pflege oder Kindererziehung oft weniger Zeit, sich politisch zu betätigen – dies verstärke ihre Benachteiligung und zementiere ein Wirtschaftssystem, das von Männern für Männer gemacht sei. „Das Problem der wachsenden sozialen Ungleichheit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Jörn Kalinski, Leiter Entwicklungspolitik von Oxfam Deutschland. Sie biete einen Nährboden für gefährliche Entwicklungen wie Rechtspopulismus und aggressiven Nationalismus. Insgesamt verfüge das reichste Prozent der Bevölkerung über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent. Damit zähle Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. Mit 15,8 Prozent liege die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996, jedes fünfte Kind sei ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXV

Tagesmail - Freitag, den 18. Januar 2019

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wenn sie wüssten, dass morgen die Welt unterginge, würden sie heute noch ein Startup-Unternehmen gründen: noch höhere Geschwindigkeit, noch schneller das Finale.

Die Gesellschaft, ein gigantischer Zug, mit unendlich vielen Passagieren, die sich in immer engeren Verhältnissen drängeln, fährt mit rasendem Tempo jener Stelle entgegen, an der er ins Nichts kippen wird. Seit Jahrzehnten gellen die Sirenen. Niemand hört sie, weil man sich an ihren Lärm gewöhnt hat.

Gegen Alarm sind die Zuginsassen taub geworden. „Lasst sie schreien, die Kassandras“, beschwichtigen die Führer des Zuges, „wir fahren unbeirrt der Zukunft entgegen“ – die sie nicht mehr erleben werden, wenn die Schreier nicht irren.

Woran leidet die Welt? An Geschichte. Diese Krankheit hat der Westen der ganzen Welt vermacht. Geschichte ist nicht die Summe der Taten aller Menschen, sondern ein selbständiger, unbeeinflussbarer Prozess, der den Erdbewohnern Ursprung und Ziel ihrer irdischen Reise diktiert.

Die Völker sitzen alle in einem Zug. Dennoch glauben sie, sie könnten sich gegenseitig überholen und als Sieger im Ziel einlaufen – auf Kosten ihrer Mitreisenden, die als Loser enden werden.

Geschichte ist nicht Teil der Evolution, einer internen Bewegung der Natur, sondern eine Reise durch die Zeit, die in vorgeschriebenen Etappen eine erwählte Minderheit ins Heil und die riesige Mehrheit der Menschen ins Unheil führen wird. Sie sprechen von Heilsgeschichte, obgleich die meisten Menschen im Unheil enden werden.

Da Geschichte den einen Heil, den anderen Unheil bringt, muss sie als Selektionsprozess betrachtet werden. Heilszeit ist einmalig und linear. Eine Wiederholung zur Korrektur des individuellen Schicksals – wie in anderen ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 16. Januar 2019

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wer will die weltweite Armut beseitigen? Der müsste eine noch nie dagewesene moralische Anstrengung vollbringen. Doch das ist unmöglich. Schon vor Zeiten wurde Moral des Landes verwiesen, seitdem ward sie nicht mehr gesehen.

Wer will weltweite Armut besiegen? Der muss Kapitalist werden, denn wer nichts hat, nichts herstellen und kaufen kann, bleibt ein lebenslanger Habenichts und nützt niemandem.

Wer will weltweite Armut überwinden? Der muss ein Phantast sein, denn Armut gehört zum Leben wie Luft zum Atmen. Ohne Armut wüssten die Reichen nicht, wen sie überholt und in den Schatten gestellt hätten. Reichtum wird durch Armut erst schön.

Wer will die Armen – aus dem Hartz4-Gefängnis in Deutschland befreien?

Der müsste zuerst den Sozialstaat zerschlagen, denn der ist ohne Armut nicht denkbar.

Der müsste zuerst die sozialen Fensterreden der SPD und der Gesellschaft zum Verstummen bringen.

Der müsste das deutsche Wesen verändern. Denn das Wesen braucht die Armen als lebensnotwendige Objekte der Verachtung. Ohne Hass und Abscheu vor Nichtstuern könnten sie ihres Lebens nicht mehr froh werden. Nur der ist reif zum Aufstieg, der Angst hat vor dem Abstieg. Nur der stürzt sich in Arbeit, der sich lebenslang vor dem Schmäh der Erfolgreichen fürchtet.

Wir benötigen Armut, um Hochkulturen zu errichten, Genies und Superreiche zu produzieren und einer immer höheren Entwicklung der Kultur und Zivilisation nachzujagen. Nach Bach und Beethoven brauchen wir keine Kultur mehr. Kultur haben fertig.

Unsere Zivilisation hingegen braucht endlosen Fortschritt, sonst beginnt sie ...

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