Philosophische Tagesmails

Von vorne XLV

Tagesmail - Montag, den 05. August 2019

Von vorne XLV,

nun sollen sie nicht nur das Klimaproblem lösen, sondern zugleich das drohende Wettrüsten verhindern.

Mit anderen Worten: die Jugend soll nicht nur Weltprobleme lösen, sondern die Menschheit von der Welt erlösen. Fordert ein kerniger Journalist – und verharrt regungslos in seiner Redaktionsstube.

Warum geht er nicht mit gutem Beispiel voran? Warum trommelt er nicht unter seinen KollegInnen, stürmt die Straße, macht sich gemein mit einer guten, ja notwendigen Sache?

„Es fehlt eine machtvolle junge Generation, die sich für Abrüstung einsetzt, angeführt von einer charismatischen Persönlichkeit wie der jungen Schwedin Greta Thunberg.“ (Sueddeutsche.de)

Sie beklagen die untätige Politik – und tun dasselbe. Sie heben und senken den Daumen über alles, was sich regt und bewegt, nur nicht über sich selbst. Nicht mal mit ihren eigenen Überlebensinteressen machen sie sich gemein.

In gefährlichen Zeiten entlarven sie, was sie schon immer waren: die Absegnungspriester des Bestehenden. Sie schreiben und kommentieren, was Ist, nur sorgen sie nicht für das Ist. Wenn Ist verschwunden sein wird, werden sie seine Geschichte aus jenseitiger Perspektive schreiben: „Das Ist, wie es war. So wird es nie wieder sein, die Menschheit hat versagt.“

Die Welt brennt. Kriegsgefahr am Hormus, in Kaschmir, Nordkorea, Flüchtlingselend weltweit, Bürgerkrieg und Terroranschläge in Amerika, Aufruhr der Bevölkerung in Hongkong, Moskau und fast überall – was kommentiert einer der wichtigsten SZ-Kolumnisten? Die „amerikanische Eröffnung“, wer wen zum Traualtar führt. (Sueddeutsche.de)

Stets nach dem demütigen Motto: wer im Kleinsten treu ist, ist es auch im Großen. An dieses Motto hält sich auch die Kanzlerin. Im Kleinen tut sie ihre Pflicht – und ...

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Von vorne XLIV

Tagesmail - Freitag, den 02. August 2019

Von vorne XLIV,

auf zum fröhlichen Wettrüsten! Wenn wir uns schon ausrotten, dann aber richtig. Ohnehin gibt es zu viele Menschen auf der Welt. Gezielte Landschaftsbereinigungen mit atomaren Sprengköpfen könnten für frische Luft sorgen. Einige wollen ihr Leben verlängern, gar unsterblich werden. Da heißt es, Platz schaffen für die Götter des ewigen Lebens. Wer Großes will, muss Opfer bringen. Das Größte aber ist der Mensch.

Ungeheuer ist viel. Doch nichts
Ungeheuerer als der Mensch.

Und der Himmlischen erhabene Erde,
Die unverderbliche, unermüdete,
Reibet er auf
;

Allbewandert,
Unbewandert. Zu nichts kommt er. (Sophokles, Antigone)

Lebensnotwendige Vorräte gehen zur Neige, da heißt es vorsorgen. Wer siegen will, muss vorausschauend zusammenraffen. Erbitterte Kämpfe um letzte Ressourcen sind unvermeidlich. Chinesen kennen keine Skrupel beim Sichern der Rohstoffe. Der Westen glaubt, sich vornehm abseits halten zu dürfen. Es soll um Menschenrechte gehen. So wird das Abendland zugrunde gerichtet:

„Dessen Tochterfirma Congo Dongfang Mining kauft die Produktion der kleinen, teils primitiven Minen der Region Katanga im Ostkongo auf – ohne Rücksicht auf Menschenrechtsverletzungen oder den Einsatz von Kinderarbeit. China verfügt über mehr als 60 Prozent aller Fabrik-Kapazitäten zur Raffinierung der weltweiten Akkurohstoffe. Die westlichen Hersteller müssen sich also bereits jetzt die Rohstoffe sichern, die sie in zehn Jahren benötigen.“ (WELT.de)

„Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann. Unsre ganze europäische ...

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Von vorne XLIII

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Juli 2019

Von vorne XLIII,

wenn Schreckliches geschieht unter den Deutschen, geschieht sogleich noch Schrecklicheres: sie reagieren darauf.

Keine Nachrichtensendung, die nicht über jedes Detail der bösen Tat berichtet hätte. Breitschultrige Männer, die mit düsteren Mienen vom Werteverfall reden. Priester aller Glaubensrichtungen, in Stunden der Not immer bereit, die Ursachen der bösen Tat anzuklagen: die gottlose Gesellschaft. Politik & BILD in herzinniger Verbundenheit, Gesetze müssten verschärft, Polizeibefugnisse ausgeweitet, der Hass gegen Fremde intensiviert, alle Feinde der abendländischen Werte an den Pranger gestellt werden. Rechte Parteien konnten ihr Glück nicht fassen.

Am nächsten Tag darf – an versteckter Stelle – ein Kriminalexperte enthüllen, dass Verbrechensraten und Gefühle der Bedrohung seit Jahren rückläufig sind. Ein Zusammenhang zwischen beiden Meldungen darf nicht hergestellt werden. Deutschland will sein Klassenziel nicht verfehlen: die amerikanische Quote der Einsitzenden zu erreichen. Von brasilianischen Gefängnissen darf geträumt werden.

Mit aller Entschlossenheit! Mit aller Entschiedenheit! Geld darf keine Rolle spielen! Im Zweifelsfall wird der üppige Sozialhaushalt geplündert. Wie wird das Böse bekämpft? Im entschiedenen Durchsetzen abendländischer Werte.

Abendländische Werte? Gibt es nicht in Wikipedia, dem umfangreichsten Lexikon der Weltgeschichte. Stattdessen Hinweise auf christliche Werte. Wie hängen Abendland und Christentum zusammen?

„Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muß sie als Einheit sehen.“

Sprach der erste Bundespräsident der Nachkriegsrepublik Theodor Heuss. Es müssen hochragende Gipfel sein, auf denen das Abendland entstanden ist. Demokratien ...

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Von vorne XLII

Tagesmail - Montag, den 29. Juli 2019

Von vorne XLII,

die Welt ächzt vor Problemen – die deutschen Politkanäle machen Urlaub. Soll die Weltpolitik sich gefälligst am Zeitplan deutscher Redakteure orientieren.

Zuerst verdorrt der Gedanke, dann das Land. Krisen, von deutschen Talkartisten nicht besprochen, können keine Weltkrisen sein. Tausende weltläufiger Experten sind unfähig, explosive Fakten wahrzunehmen, strenge Debatten zu führen und demokratische Positionen zu beziehen.

Die aufsässige Jugend, vor kurzem noch scheintot, wird gnädig gelobt oder gnadenlos zerrissen. Ihre argumentative Überlegenheit wird als prätotalitäre Unduldsamkeit niedergemacht. Den Personenkult selbsternannter Wichtigtuer würde sie bereits perfekt beherrschen.

Wie es tatsächlich ist, schildert Carla Reemtsma, Mitglied der FfF:

«In der Woche, als Luisa bei 'Anne Will' war, hatten vier Talkshows nach ihr gefragt.» Einen ganzen Tag habe es gedauert, bis eine andere Redaktion dann Reemtsma statt Neubauer als Gast akzeptiert habe. Bei zwei weiteren Talkshows habe es geheißen: Neubauer oder keine. Sie seien hart geblieben, sagen die "Fridays"-Aktivisten, am Ende sei dann eben keiner von ihnen im Fernsehen gewesen.“ (SPIEGEL.de)   

Die Sturmgeschütze der Demokratie sind tot. Sie können kaum noch Platzpatronen entzünden. Jetzt, jetzt, müssen wir uns an die Arbeit begeben, sagt auch die Politik und – verschwindet im Jahresurlaub.

Zum ersten Mal würden die Freitagsrebellen vor einem Flughafen demonstrieren, berichtete die ARD und krönte ihren Bericht mit der These eines ...

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Von vorne XLI

Tagesmail - Freitag, den 26. Juli 2019

Von vorne XLI,

zu Bayreuths Wagner-Festspielen trifft sich die creme de la creme der deutschen Gesellschaft, von der Sendung mit der Maus bis zu CSU-Söder und seiner gattenfrei auftretenden Kanzlerin:

Allesamt Antisemiten, wenn man dem derzeit gültigen Antisemitismus-Kanon folgt.

Nach diesem gilt als antisemitisch:

wer sich – belanglos wie oft und in welchem Zusammenhang – des Nazi-Vokabulars bedient, selbst wenn es sich um unverdächtige Begriffe des Alltags handelt,

wer sich bedenklich oft in den Umkreis bekannter Antisemiten begibt, etwa unter dem Vorwand, mit ihnen zu debattieren – oder wer zu erkennen gibt, dass er „Mein Kampf“ ohne staatlich genehmigte Kommentare liest,

wer – gemessen am politisch erlaubten Durchschnittswert – die Menschenrechtsverletzungen Israels signifikant auffällig attackiert, viel schlimmere Menschenrechtsverletzungen anderer Länder jedoch ignoriert,

wer den Mossad der Pflichtvergessenheit rügt, dass er just im Land der Täter keine effiziente Lobbyarbeit für Netanjahu treiben würde.

Philosemitisch hingegen muss es sein, wenn fast die gesamte deutsche Presse den rechtswidrigen Abriss palästinensischer Häuser durch Netanjahu unkommentiert passieren lässt – obgleich die europäische Union und eine UN-Organisation heftig protestiert haben.

BILD – das philosemitischste Blatt der BRD – suggerierte wie stets, ...

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Von vorne XL

Tagesmail - Mittwoch, den 24. Juli 2019

Von vorne XL,

Mitmenschen, bitte nehmen Sie sich eine Minute Zeit für die Bewertung – der Welt. Sie werden sehen, das Ranking lohnt sich.

Zwischen der besten Note:
Unvergleichliches Produkt mit vorübergehenden minimalen Verschleißerscheinungen, die sich mühelos beheben lassen“

und der miserabelsten:
Lebensunwertes, irreparables Mogelprodukt der Hersteller (Gott, Natur …) die vor dem OGU, dem obersten Gericht des Universums, zur Rechenschaft gezogen werden müssten“

haben Sie freie Wahl.

Vielen Dank für Ihre Bewertung. Aufgrund Ihrer Wahl konnte unsere Rankingspezialistin Alexa Ihr Profil entwerfen, das wir Ihnen hiermit übermitteln dürfen:

Entschieden Sie sich für die erste Antwort, gehören Sie zum erfolgreichen EINPROZENT der Menschheit, das es geschafft hat, aus knapper Intelligenzausstattung ein Optimum an Effizienz zu generieren.

Im Namen der Evolution können wir Ihnen nur gratulieren. Moralfrei akkumulierende, kühne Persönlichkeiten wie Sie bestätigen uns, dass die Kreation des homo disruptor zu jeder Zeit und an jedem Ort des Alls ein lohnenswertes Experiment wäre.

Anbei die lukrativsten Angebote unserer derzeitigen Mond- und Marsexkursionen. Bei der riesigen Nachfrage und dem noch immer winzigen Angebot sind wir leider ...

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Von vorne XXXIX

Tagesmail - Montag, den 22. Juli 2019

Von vorne XXXIX,

Hiroshi Ishiguri „ist einem jahrtausendealten Menschheitstraum inzwischen recht nahegekommen: ein perfektes Abbild des Menschen zu schaffen.“ (SPIEGEL.de)

Ein uralter Menschheitstraum? Existiert nicht mal als Artikel in Wikipedia. Menschheitsträume zum ewigen Frieden gelten in der Zivilisation als Wahnvisionen, Fieberträume gottgleicher Golems jedoch gehören zur DNA der Menschheit. Unter ihnen die Raumfahrt. Vor 50 Jahren gehörten jene Träume nicht mal zur DNA des SPIEGEL:

„Es ist an der Zeit, die Hoffnung zu begraben: Der Weltraum ist nicht unsere New Frontier, ist nicht der Raum, in dem die Menschheit über sich selbst hinauswächst. … eine kosmische Bewußtseinsbildung findet dennoch nicht statt. Jede irdische Utopie hat da bessere Chancen. Deshalb ist uns die bemannte Raumfahrt auch so schnell langweilig geworden. Sie zeigt, daß Menschen imstande sind, selbst Träume Wahrheit werden zu lassen. Aber sie zeigt auch, was daraus folgt: nämlich gar nichts. Die gewaltige Konzentration materieller und geistiger Kräfte, die den Mondschuß zuwege gebracht hat, ist offensichtlich nicht anwendbar auf die Probleme der Umweltverschmutzung, ist nicht wiederholbar zur Rettung der Flüchtlinge, die in Pakistan verhungern oder gemetzelt werden.“ (SPIEGEL.de)

Dieselben Probleme wie heute. Heute werden sie nicht einmal mehr erwähnt, geschweige zur Debatte gestellt. Das kann man Fortschritt in Verdunkelung nennen.

Ungeheure Geldmassen werden ins All geschossen – auf Kosten der leidenden Erdbevölkerung. Mächtige Eliten deklarieren ihre privaten Verstiegenheiten als Menschheitsträume.

Framing oder Kunst des Kommunizierens wird heute genannt, was man früher Propaganda oder Agitation nannte. Himmelstrebende Dome und Kathedralen, phantastische Burgen und Schlösser standen am Anfang des Fortschritts, gefolgt ...

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Von vorne XXXVIII

Tagesmail - Freitag, den 19. Juli 2019

Von vorne XXXVIII,

„Die USA markierten mit der Apollo-11-Mission ihren Anspruch als große, unangefochtene Führungsmacht der Welt. Zugleich konnten sich aber alle Erdenbürger freuen, weil plötzlich deutlich wurde, dass die Menschheit als Ganzes etwas Großartiges erreicht hatte. Jeder konnte sich in diesem Moment als Teil einer friedlichen, glücklichen Weltgemeinschaft fühlen, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.“ (SPIEGEL.de)

Friedliche und glückliche Weltgemeinschaft durch technischen Fortschritt? Das war das Halluzinogen von Zukunftsphantasten, verbreitet mit Hilfe quotengieriger Weltmedien. Die Wirklichkeit sah gänzlich anders aus.

Max Nicholson, führender Kopf im internationalen Naturschutz, schrieb wenige Monate nach der Mondlandung am 19. Juli 1969:

„Der Stolz, den Mond erreicht zu haben, ist zerronnen gegenüber der demütigen Einsicht, es so weit gebracht zu haben, dass wir unseren eigenen heimatlichen Planeten in einen Slum verwandelten. Ganz plötzlich ist der Kampf einer kleinen Minderheit für Naturschutz von einer breiten Welle des erwachten Bewusstseins breiter Massen aufgenommen wurden. Alte Werte, Denkmuster und eingefahrene Praktiken stehen auf der ganzen Welt unter Beschuss. Was wir erleben, ist eine Umweltrevolution.“ (in: Joachim Radkau, Die Ära der Ökologie)

In Amerika begann die moderne Ökobewegung, die die Erde in eine friedliche, naturgemäß lebende, gleichberechtigte Weltgemeinschaft verwandeln wollte. Die „Freunde der Erde“ („Friends of the Earth“), gegründet von David Brower, prägten den Slogan, der die Welt umrunden sollte: Global denken, regional handeln (Think globally, act locally).

Der Slogan bedeutet, den Einklang von Mensch und Natur, die Verträglichkeit ...

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