Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XLIV

Tagesmail - Montag, den 26. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIV,

der Fortschritt hat sein Ende erreicht, wenn die Welt unfehlbar geworden ist. Sie ist unfehlbar geworden – dank ihrer weltbeherrschenden Religion. Unfehlbares kann nicht mehr kritisiert werden, weil es den Status der Vollkommenheit erlangt hat.

Nach 2000 Jahren erreichte die christliche Religion den Stand der Unfehlbarkeit. Alles, was geschieht, kann sie nach Belieben für gut oder böse oder für gut und böse erklären. Unfehlbarkeit segnet und verflucht alles. Sie kennt keinen Maßstab, nach dem sie angeklagt werden könnte. Entweder-Oder ist für sie eine Anmaßung der Welt. Einer heidnischen Logik des Widerspruchs unterwirft sie sich nicht.

„Alles ist rein den Reinen; den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern bei ihnen ist Denken und Gewissen befleckt.“

„Ich weiß und bin gewiß in dem HERRN Jesus, daß nichts böse ist an sich selbst.“

„Was aber nicht aus Glauben geschieht, das ist Sünde.“

Was aus Glauben kommt, kann niemals Sünde sein. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht das gleiche. Was dem einen Tugend, ist dem andern Laster. Gute Werke der Gottlosen sind den Frommen frevelhafte Untaten.

Was ist gut, was böse – wer entscheidet darüber? Die Macht. Die Macht der Frommen, die an die Allmacht eines göttlichen Mannes glauben und dadurch selbst allmächtig geworden sind.

Aus religiöser Sicht muss Moral nicht erkannt und erkämpft, sondern durch Allmacht bestimmt werden. Gut und Böse findet und entdeckt man nicht, über ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLIII

Tagesmail - Freitag, den 23. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIII,

„Er ist rechtlich nicht bindend, und deshalb steht Deutschland dazu": in der Bundestagsdebatte hatte die Kanzlerin der Opposition mit einem Satz geantwortet, „der es in sich hatte“. (SZ)

Die Presse war begeistert: „Die Regierungschefin, sonst nicht gerade für rhetorische Eruptionen bekannt, gibt sich bei ihrer ersten Rede im Parlament seit ihrem angekündigten Rückzug für ihre Verhältnisse kämpferisch, manchmal gar emotional. Es wirkt, als treibe sie verstärkt die Sorge um ihr Vermächtnis um.“ (SPIEGEL)

Merkel hatte das Betriebsgeheimnis ihrer Regierung verraten. Was rechtlich unverbindlich ist, ist es auch moralisch – das ohnehin zu nichts verpflichtet. Gebt euer Wort, unterschreibt alle Verträge dieser Welt: wer glaubt, er könne sich darauf berufen und uns in Zugzwang bringen, ist nicht mehr zu retten. Wir lassen uns durch nichts erpressen, nicht mal durch unser eigenes Wort. Normen sind dazu da, dass sie im täglichen Wursteln verhackstückt werden – wie die nationale Metzgerinnung formulierte. Was Trump enthemmt demonstriert, gehört lange schon zum feinsinnigen Machiavellismus Merkels, die sich nur ihrem Gott verantwortlich fühlt und sonst niemandem auf der Welt.

Oh, pardon: Fehler! Die Donnersätze, die es in sich haben, haben sich verselbständigt. In Wahrheit antwortete Merkel der AfD-Fraktionschefin Weidel: „Das Schöne an freiheitlichen Debatten ist, dass jeder über das spricht, was er für das Land für wichtig hält.“ (SPIEGEL.de)

So läuft eine vorbildliche Debatte im deutschen Bundestag. Die Opposition, sie mag sein, wie sie will, wird nicht einer direkten Ansprache gewürdigt und mit überzeugenden Argumenten widerlegt, wie es dem Hohen Hause ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLII

Tagesmail - Mittwoch, den 21. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLII,

Ein bißchen Mord muß sein,
Dann ist die Welt voll Sonnenschein.
So schlecht wie wir uns heute verstehen,
So soll es weitergehen.

Ein bißchen Mord muß sein,
Dann kommt Gewalt von ganz allein.
Drum singen wir tagaus und tagein:
Ein bißchen Mord muß sein.

Jubel unter deutschen Schlechtmenschenkohorten. Dem westlichen Führer der Welt ist Geldscheffeln wichtiger als ein kleiner Meuchelmord – an einem „Staatsfeind“. Machet die Tore weit und die Türen in Germanien hoch: auf dass der Trumpismus einziehe und sich mit dem 200 Jahre alten deutschen Amoralismus verbünde. Sollten ausgerechnet Deutsche sich zu moralischen Besserwissern der Welt aufschwingen dürfen?

„Die Welt hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass Trump in seinem "America First"-Wahn internationale Vereinbarungen und moralische Standards jederzeit über Bord zu werfen bereit ist. Jetzt aber geht er noch einen Schritt weiter. Soll der Kronprinz doch ermorden und zerstückeln lassen, wen er will. Solange es in der Kasse klingelt, ist das von nun an völlig in Ordnung.“ (Sueddeutsche.de)

Laut TAZ hat sich die bürgerliche Mitte der BRD schon zum bewaffneten Staatsstreich gerüstet. Noch immer wissen wir nicht, welche hintergründigen Kräfte ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLI

Tagesmail - Montag, den 19. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLI,

Macron muss verzweifelt sein, dass er seine letzte Trumpfkarte im Kampf gegen Deutschland zückte. Nun verbleibt ihm nichts mehr, mit dem er imponieren könnte, um les allemands zu becircen und zu betören. Je t’aime flüsterte er dem deutschen Bundestag – nicht ins Ohr, sondern:

„Frankreich liebt Sie“. (SPIEGEL.de)

Das klang korrekter, unbeteiligter. Der Staatspräsident sprach wie ein Bote, wie ein beauftragter postillon d’amour. Darf er für sein ganzes Land sprechen? War er zum Liebesgeständnis autorisiert? Hatte er zuvor seine Landsleute befragt?

Wie aber war das Echo der Deutschen? Lieben sie zurück? Waren sie beeindruckt, erschüttert, zutiefst gerührt? Gab es denn ein Echo? Oder waren die Liebesobjekte nur irgendwie merkwürdig, gar peinlich, berührt, dass sie nur noch verlegen stammeln und verstummen konnten?

Liebesgeständnisse auf offener politischer Szenerie? War das keine welthistorische Premiere? Wo gab es das schon, dass ein ganzes Land ein anderes liebt?

Merkel, von Gott geliebt, ist auf männliche Liebesgeständnisse nicht angewiesen. Das lässt die Männer reihenweise erbleichen. Sie handelt nach Paulus: bei ihr gibt es kein Ansehen der Person. Zu allen Menschen verhält sie sich gleich gut, denn alle sind ihr nicht gleich gültig, sondern gleichgültig.

Liebe, Vollendung der Moral, zugleich das Höchste der Politik? Wo blieb das Gebell deutscher Amoralistenkohorten? Wo blieb die zynische Antwort, dass sie von lächerlichen Liebesgeständnissen in Zukunft bitte schön verschont bleiben wollten?

Merkwürdige Stille im deutschen Blätterwald. Da war etwas, was man am liebsten gar nicht gehört haben wollte. Liebesgeständnisse kann man erwidern oder ...

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Sofort, Hier und Jetzt XL

Tagesmail - Freitag, den 16. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XL,

es gibt nur noch eine einzige realistische Orientierung, mit der die Menschheit überleben kann – und das ist die Utopie, die friedliche Koexistenz der Völker.

Die Anforderungen des Überlebens sind so gewaltig, dass die Menschheit sie nur noch in einmütiger und einträchtiger Zusammenarbeit bewältigen kann.

Alles, was nicht utopisch ist, hat längst aufgehört, den jetzigen Status der Menschheit mit all seinen Vor- und Nachteilen zu erhalten oder fortzuentwickeln.

Alle gegenwärtige Real- und Interessenpolitik, die die Völker in einen endlosen Konkurrenzkampf zwingt, führt unvermeidlich in einen globalen Vernichtungskrieg oder in eine menschheitszerstörende Naturauslöschung.

Alles Nicht-Utopische hat sich unwiderruflich kenntlich gemacht: als Mittel einer unaufhaltsamen Selbsttötung der Gattung.

Mit der UN-Charta des Jahres 1945 hat die Menschheit die Utopie einer friedfertigen Zusammenarbeit nicht nur theoretisch formuliert, sondern sich ihrer praktischen Realisierung in bislang unvorstellbarer Weise angenähert.

Als die Mauern zwischen Ost und West fielen, die Sowjetunion sich auflöste und Russland unter Gorbatschow die Verständigung mit dem Westen suchte, schien die Utopie eines Weltdorfes zum Greifen nahe.

Doch dem Aufstieg religiöser Kräfte im Westen, die den Fortschritt der moralischen Vernunft als Werk des Antichrist hassen, gelang es, die verheißungsvolle Entwicklung des mündigen Menschen zu beenden und einer apokalyptischen Endzeit zu unterwerfen.

Seitdem werden Weltparlament der UNO und die Normen der Menschenrechte als ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXIX

Tagesmail - Mittwoch, den 14. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIX,

je stärker die Frauen werden, je unerbittlicher schlagen die Männer zu – und vernichten die Natur, die weibliche.

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut. (Eichendorff)

In der Blauen Blume werden Weib und Natur eins. Gelingt es den Männern, die Natur zu zerstören, können sie aufatmend die Suche nach der überlegenen Frau einstellen. Was sollten sie suchen, was sie eigenhändig geschändet und verstümmelt haben?

„Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die […] ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXVIII

Tagesmail - Montag, den 12. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVIII,

die Natur macht wahr, was sie schon lange angekündigt hat: sie beginnt, die Menschheit zu vernichten.

„Kalifornien ist derzeit Schauplatz einer Katastrophe historischen Ausmaßes: Gewaltige Flächenbrände haben Tausende Gebäude zerstört, mehr als 30 Menschen sind in den Flammen ums Leben gekommen.“ (SPIEGEL.de)

Wer ist schuld? Politiker beschuldigen sich gegenseitig. Die Medien sind neutral und wissen von nichts. Der Begriff Klimakatastrophe kommt nicht einmal vor. Wichtig ist nur, dass ein Deutscher sein Luxusanwesen verloren hat.

„Zu den zerstörten Anwesen gehört auch das von TV-Moderator Thomas Gottschalk“.

Nein, Europa ist kein Elitenprojekt, wie der SPIEGEL behauptet. Das könnte den Medien so passen, die nichts lieber tun, als Eliten zu illuminieren, um sich selbst in ihnen zu spiegeln. Hat Macron zu seinem militaristischen Spektakel auch die Völker eingeladen? Flanierten Menschen aus ganz Europa über die Prachtstraßen von Paris, ein fröhliches Fest der Völkerverständigung feiernd? Wer betreibt denn, seit Absage an das Ende friedloser Geschichte, die Wiederaufrüstung der Nationen, die Errichtung von Gräben und Mauern, die Abschottung darwinistischer Staaten?

Die SZ bewundert die Inszenierungskünste des französischen Präsidenten:

„Frankreich versteht sich auf die ganz große Inszenierung, die an Geist und Seele zugleich appelliert und ein Pathos verbreitet, das nicht hohl, sondern bedeutungsreich ist.“ (Sueddeutsche.de)

An den remilitarisierten Geist, an die heldenhafte Seele? Eine Demonstration militärischer Macht soll den Triumph des Friedenswillens darstellen? Der Wille zu ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXVII

Tagesmail - Freitag, den 09. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVII,

da ist sie wieder, die Warnung, an die wir uns gewöhnt haben. Spiel mir das Lied vom Tod. Aber so, dass ich nicht auf die Straße renne, um jeden Passanten anzuschreien. Wir verstummen, um unsere eigenen Stimmen zu ersticken – die uns Tag und Nacht verfolgen.

„Beim CO2-Ausstoß ist keine Trendwende in Sicht – im Gegenteil: Die Emissionen der Menschheit würden 2018 vermutlich um zwei Prozent steigen. Die gegenwärtige Situation sei für ihn als Klimaforscher «frustrierend», sagt Rockström. «Wir hatten noch nie so viele Belege für die Gefahren des Klimawandels.» Zugleich kenne man gangbare Wege, um die Erderwärmung zu begrenzen. Doch die Staatengemeinschaft habe diesen Weg bislang nicht eingeschlagen. «Wir sind in einer sehr ernsten Situation.»" (SPIEGEL.de)

Müssten nicht alle Politiker nur über dieses Thema reden? Nicht alle Gazetten nur über dieses Thema schreiben und sich standhaft weigern, über das tägliche Theater der Polit-Marionetten zu berichten, als ginge es um irgendetwas?

Es werden Umfragen in Auftrag gegeben, die zeigen sollen, wie gut es übersättigten Menschen zu gehen hat: „Wenn Sie Ihre Situation mit der von Flüchtenden im schwankenden Schlauchboot vergleichen: wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Lage?“

Suggestive Fragen – die nicht veröffentlicht werden – erhalten jene Antworten, die den Mächtigen grünes Licht zeigen: weiter so, wir befinden uns im Gleitflug in … Ja, in was? In die Unsterblichkeit? In die endgültige Überwindung von Gefühlen und Gedanken, die uns warnen, ungerührt weiterzumachen wie bisher?

Wenn wir Glück haben, wird Natur uns plötzlich und mit einem Schlag von der Tenne fegen. Davon könnten wir nur träumen. Wahrscheinlicher ist es, dass Milliarden ...

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