Philosophische Tagesmails

Umwälzung LXXX

Tagesmail - Freitag, den 29. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXX,

„Der Deutsche, je knechtischer auf der einen Seite, desto zügelloser ist auf der anderen;   Beschränktheit und Maßlosigkeit, Originalität, ist der Satansengel, der uns mit Fäusten schlägt. Wir Deutschen sind passiv gegen das Bestehende, haben es ertragen. Ist es umgeworfen worden, so sind wir ebenso passiv. Durch andere ist es umgeworfen worden, wir haben es uns nehmen lassen, haben es geschehen lassen.“ (Hegel)

Wer heute kein Originalgenie ist, der ist nichts. Alles muss unbefleckt einer tabula rasa entsprungen sein, sonst ist es Müll der Vergangenheit. Früher empfanden sie: früher war alles besser. Heute denken sie: in Zukunft wird alles besser sein. Wer ein genialer Denker sein will, muss ein jungfräuliches System aus dem Boden stampfen. Wer den Fehler begeht, von anderen gelernt zu haben, ist ein Tropf. Lieber bleiben sie doof, als von andern zu lernen. Im Bereich der Technik spiegelverkehrt: wer hier nicht jeden Fortschrittsschrott der anderen blind übernimmt, wird untergepflügt.

„Ihr deutschen Jakobiner; die deutsche Revolution wird darum nicht milder und sanfter ausfallen, weil die Kantesche Kritik, der Fichtesche Transzendentalidealismus und gar die Naturphilosophie derselben vorausging. Durch diese Doktrinen haben sich revolutionäre Kräfte entwickelt, die nur des Tages harren, wo sie hervorbrechen und die Welt mit Entsetzen und Bewunderung erfüllen können. Lächelt nicht über den Phantasten, der im Reiche der Erscheinungen dieselbe Revolution erwartet, die im Gebiete des Geistes stattgefunden. Der Gedanke geht der Tat voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt, der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bei diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft tot niederfallen, und die Löwen in der fernsten Wüste Afrikas werden die Schwänze einkneifen und sich in ihren königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die ...

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Umwälzung LXXIX

Tagesmail - Mittwoch, den 27. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXIX,

„... ich wandte mich persönlich jedem einzelnen zu, um ihm die meiner Meinung nach größte Wohltat zu erweisen. Ich bemühte mich nämlich, einem jeden von euch die Überzeugung beizubringen, dass er unrecht täte, sich eher um Hab und Gut zu bekümmern, als um sich selber und um die möglichste Förderung seiner sittlichen und geistigen Bildung. Ebensowenig dürfe er eher Sorge tragen für die Angelegenheit des Staates, als für den Staat selber. Was aber gebührt einem Mann, einem Wohltäter eurer Stadt, der der Muße bedarf für seinen Beruf, euch aufzurütteln und zu mahnen? Mir fällt nichts Angemessenes ein als die ehrenvolle Speisung im Rathaus, angemessener jedenfalls als für siegreiche Sportler. Denn diese verschaffen euch nur ein scheinbares Glück, ich dagegen ein wirkliches und echtes. Vernehmt also, dass ich dem Rechte zuwider vor niemandem, er sei, wer er wolle, zurückweichen werde aus Furcht vor dem Tode, mag dieser mir auch noch so stark drohen für den Fall, dass ich eben nicht nachgebe. Was ich euch vortragen werde, ist ärgerlich und unerquicklicher Art, aber es ist die Wahrheit.“ (Verteidigungsrede des Sokrates)

In wie vielen Tyranneien dieser Welt werden Menschen verfolgt, bestraft und getötet, die auf sokratische Art Sorge tragen für Glück und sittliches Wohlergehen ihres Gemeinwesens?

In wie vielen Demokratien dieser Welt werden Menschen als moralische und überhebliche Narren lächerlich gemacht und an den Rand geschoben, die für die sokratische Wahrheit eintreten, nur Menschlichkeit könne humane Verhältnisse in Gesellschaft und Staat schaffen?

Wer für sokratische Wahrheit eintritt, spricht nicht im Auftrag eines jenseitigen Gottes. Er beruft sich nicht auf die Offenbarung höherer Wesen. Alles geschieht im Namen der eigenen Vernunft, die um ihre Irrtumsfähigkeit weiß, aber auch um ...

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Umwälzung LXXVIII

Tagesmail - Montag, den 25. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXVIII,

Kroosdeutschland ist wieder geboren. Kroosdeutschland ist wieder da. Kroosdeutschland ist immer Kroosdeutschland. Das kroosdeutsche Wunder. „Fußball ist ein simples Spiel. 22 Männer jagen 82 Minuten lang dem Ball hinterher, und den Kroosdeutschen wird ein Spieler herausgestellt, so dass 21 Männer 13 Minuten lang dem Ball hinterherjagen, und am Ende gewinnen die Kroosdeutschen irgendwie, verdammt." (SPIEGEL.de)

„Unsere kroosdeutsche Mannschaft war wie ein Schwimmer, der sich weiter und weiter vom rettenden Ufer entfernt. Und wenn wir ehrlich sind, dann waren wir bereits ertrunken. Als Toni Kroos sich den Ball zurechtlegte, dachten wir alle, dass das Schicksal besiegelt ist. In seinen Bewegungen ist nichts Hektisches zu sehen. Er wirkt wie ein Mensch, dessen Brücken abgebrochen sind. Es gibt keinen Weg zurück. Er ist allein. Er ist der letzte Leuchtturm. Er nimmt die Niederlage in Kauf. Und die Schmach. Toni Kroos ist ein Mann, der wenig lächelt, eigentlich ist er ein Mann mit einer Maske. (BILD.de)

16 Minuten war Deutschland schon ausgeschieden. Um letztendlich das Spiel in Unterzahl zu drehen. Der Mythos der nie aufgebenden Kroosdeutschen lebt wieder. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass alle Mannschaften jetzt alles dafür tun werden, uns solange wie möglich bei der WM aus dem Weg zu gehen." (BILD.de)

Gegen Kroosdeutschland will keiner spielen. Wenn die Kroosdeutschen in der Minderzahl sind, zurückgeblieben oder hoffnungslos unterlegen scheinen, kommen sie wie ein zu allem entschlossener Held, ja wie ein Leuchtturm aus der Tiefe des Raumes, regungs- und gefühllosen Gesichts, als trügen sie eherne Masken auf dem Heldenantlitz. Es führt kein Weg zurück, Alles oder Nichts, weder Niederlage noch ...

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Umwälzung LXXVII

Tagesmail - Freitag, den 22. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXVII,

erneut war die junge Frau beim Schwarzfahren erwischt worden. Da sie die Geldstrafe nicht bezahlen konnte, wanderte sie für mehrere Monate in den Knast. Sie war im achten Monat schwanger, ihr Sündenbalg erblickte das Licht der Welt in Gefangenschaft. Für die Schuld der Eltern haften die Kinder bis ins dritte und vierte Glied.

Die Geburt war nicht einfach. Als die Nabelschnur endlich zertrennt war, standen Polizisten am Bett der Mutter, bereit, ihr den schreienden Säugling aus den Händen zu reißen – und in ein Kinderheim zu bringen, das 1000 Meilen vom mütterlichen Gefängnis entfernt war. Ein Priester stand dabei und psalmodierte: Lasset die Kindlein zu Donald kommen und wehret ihnen nicht, denn Er ist das göttliche Gesetz, das über allen demokratischen Gesetzen steht.

Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Kinder sind Instrumente der Macht bei der Eroberung der Welt. Mächtige besitzen stolze kinderreiche Dynastien, die Unteren werden bestraft, wenn sie sich den Luxus eines Kindes erlauben.

Vor allem Kinder werden für die Sünden ihrer Erzeuger bestraft. Sie werden abgeschoben in Kitas, Schulen und Universitäten, wo sie von morgens bis abends beobachtet, kontrolliert, zwangsbeschäftigt, für die Interessen der Führungsklassen indoktriniert und zensiert werden.

Wie viele Zensuren erhält ein Mensch im Laufe seines Lebens? Nehmt alle Zensuren eines Lebens zusammen und bildet den Mittelwert – und ihr erhaltet die Signatur eines Unvergleichlichen hinter emotionalen Gittern. Sollte Trump noch nicht ...

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Umwälzung LXXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 20. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXVI,

ist der deutsche Fußball noch zu retten?

Ist Merkel noch zu retten?

Ist Trump noch zu retten?

Sind UNO, Frieden, das Meer, das Klima, die Menschheit – die Welt noch zu retten?

Menschen, habt ihr noch alle Tassen im Schrank? Seid ihr noch zu retten?

„Verflucht, was als Besitz uns schmeichelt,
Als Weib und Kind, als Knecht und Pflug!

Weh! weh!
Du hast sie zerstört
Die schöne Welt,
Mit mächtiger Faust;
Sie stürzt, sie zerfällt!
Ein Halbgott hat sie zerschlagen!
Wir tragen
Die Trümmern ins Nichts hinüber,

Prächtiger
Baue sie wieder,
In deinem Busen baue sie auf!
Neuen Lebenslauf
Beginne
.“

Zuerst müssen Weib und Kind dieser verfluchte Besitz – verschwinden. Dann mit der Faust alles in Trümmer schlagen, wieder aufbauen und einen ...

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Umwälzung LXXV

Tagesmail - Montag, den 18. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXV,

gestern ging die Welt dreimal unter. Zweimal cineastisch, einmal sportiv. Die Menschheit muss vorbereitet sein, wenn Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorrha fallen:

a) „Eine Reihe von Naturkatastrophen versetzt die Menschheit in Angst und Schrecken. Wissenschaftler stellen fest: das Magma im Erdkern kann nicht mehr zirkulieren, es droht der Untergang der Erde. Prof. XY soll den Stillstand im Erdinneren mit Nuklearsprengstoff beenden. („The Core – der innere Kern“ in SAT1). (Untertanen, hütet euch vor Faulheit und Stillstand, sonst zwingt ihr eure Obrigkeit zum Äußersten)

b) „Die Erde und mit ihr die gesamte Menschheit steht nach vier Angriffswellen („vier apokalyptische Reiter“) durch Aliens kurz vor dem Kollaps. Die Menschen kämpfen um ihr Überleben oder sind auf der Flucht, darunter die Schülerin XY. Sie versucht, ihren von Aliens entführten Bruder zu finden, bevor die fünfte Angriffswelle der Invasoren alles Leben ausradiert. Dazu verbündet sich die Schülerin mit einem Fremden“. (Es wird doch nicht der Messias sein?) („Die fünfte Welle“, RTL)

c) „Das Auftaktspiel unserer Weltmeister – ein Offenbarungseid. Gerade in politisch so ernüchternden Zeiten hätten wir uns diese vier Wochen Glückseligkeit wirklich verdient. Schwarz-Rot-Glück auf dem Platz statt Streit in der GroKo.Was unser Land braucht, sind Zuversicht, Einsatz und Erfolg Made in Germany. Wenn schon Merkel & Co. uns keinen Grund zum Jubeln geben, dann doch bitte Jogi und seine Jungs.“ (BILD.de)

Offenbarungseid? Wenn Offenbarung einschreitet, wird’s ungemütlich. Die Mutterzeiten nähern sich ihrem Ende. Wenn die apokalyptischen Reiter kommen, brauchen wir Männer, made in Germany. Was aber, wenn auch „Jogi und seine Jungs“ versagen?

BILD gebührt das Verdienst, zum ersten Mal unverblümt das Prinzip „Brot und Spiele“ eingefordert zu haben. Wenn schon keine politische GLÜCKSELIGKEIT, dann ...

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Umwälzung LXXIV

Tagesmail - Freitag, den 15. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXIV,

201,9 Billionen Dollar hat die Menschheit zusammengerafft. Ein unfassliches Vermögen. Doch es reicht nicht, um die knapp 8 Milliarden Menschen auf Erden ausreichend zu ernähren oder glücklich zu machen. Es darf nicht reichen. Wären Menschen glücklich, würden sie nichts arbeiten. Für Kapitalisten ist das Paradies ein unausdenkbarer Ort der Pein, ein lustverseuchtes Reich von Nichtstuern und faulenzenden Horden.

Pursuit of happiness: die Menschen sollen nach Glück streben, glücklich werden sollen sie nicht. Dem Glück sollen sie nachjagen, erreichen dürfen sie es nicht. Psychologisch reden wir von einer double bind – die aus zwei Botschaften besteht, die sich gegenseitig ausschließen. Tu etwas – doch wehe, du tust es! Wasch mir den Pelz – aber mach mich nicht nass! Liebe deinen Nächsten – aber schick ihn in die Hölle!

„Die Theorie wurde von einer Gruppe um den Anthropologen Gregory Bateson entwickelt. Sie identifizierten Beziehungsstrukturen, die in der Folge zu Verhaltensformen führen können, die als Schizophrenie bezeichnet werden, und prägten für diese den Ausdruck double bind. Diese Verbindung zur Schizophrenie konnte allerdings empirisch nicht bestätigt werden.“

Natürlich konnte Schizophrenie nicht nachgewiesen werden. Wenn die ganze Menschheit geistesgestört ist, kann der Einzelne es nicht mehr sein: Massenneurose schützt vor Einzelneurose. Welch herrlicher Ausblick: bald haben wir den Status des globalen Wahns erreicht: dann können wir uns den Luxus individueller Diagnosen und Therapien sparen. Warte nur, balde ruhest auch du – im kollektiven Irrsinn.

„Das Finanzvermögen der Deutschen stieg um 4,3 Prozent auf 7,5 Billionen Dollar. Gemessen an der Summe der Vermögen rangiert Deutschland damit weltweit ...

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Umwälzung LXXIII

Tagesmail - Mittwoch, den 13. Juni 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LXXIII,

ein Gleichnis von der verlorenen Tochter – undenkbar in einem Buch männlicher Erlöser und Erlöster. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn war für Adolf von Harnack das Zentrum christlichen Glaubens.

Politische Patriarchen zelebrieren in zunehmendem Maß Geschichten des Heiligen.

„Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein! denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.
Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen; und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein
...

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