Philosophische Tagesmails

Umwälzung LVII

Tagesmail - Montag, den 07. Mai 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LVII,

Kein Platz für Antisemitismus in Deutschland: darin sind sich die Repräsentanten der Republik einig. Weshalb sie in unerbittlich deutscher Logik zwei der führenden Antisemiten zu Heiligen des Landes erklärt haben: Martin Luther und Karl Marx.

Rechte und linke Judenfeindlichkeiten werden angegriffen, doch der Antisemitismus der staatstragenden Mitte wird zur feierlichen nationalen Pflicht erklärt. Selbst Günther Jauch, charismatisches Vorbild aller Bundespräsidenten, ergriff das Wort zum Gedenktag und pries den Jubilar, von dem er beim Thema „Quizfragen in Warenform“ noch immer lernen könne. Selbst Michael Hüther, Oberpriester aller Neoliberalen, rühmt die „heilsgeschichtlich-idealistische Perspektive", welche die modernen Sozialstaaten bis heute motiviere.

Woraus wir entnehmen, dass das kapitalistische und antikapitalistische Geld in gleichem Maße auf Erlösung angewiesen ist.

„Welches ist der weltliche Grund des Judenthums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“ Das Judentum sei "ein allgemeines gegenwärtiges antisociales Element“. In der jüdischen Religion liege "die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck". Selbst "das Weib wird verschachert". (Marx)

Über den „jüdischen Nigger Lassalle“ schrieb der Jubilar: „Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seiner Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen. Nun, diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch niggerhaft." Selbst seinen eigenen Schwiegersohn Paul Lafarge, dessen Mutter eine kubanische Kreolin war, erniedrigte er in einem Brief an seine ...

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Umwälzung LVI

Tagesmail - Freitag, den 04. Mai 2018

Hello Freunde der Umwälzung LVI,

eben noch begruben sie die RAF-Terroristen der Studentenbewegung. Heute wird ein Denkmal ihres geistigen Urvaters in Trier feierlich enthüllt.

Wer das abgeschabte Wort Heuchelei nicht mehr in den Mund nehmen will, kann von der dialektischen Begabung der Deutschen reden. Im bezaubernden Reich der Dialektik ist Heuchelei ausgerottet. Wenn sich alle Widersprüche in Wohlgefallen auflösen, ist alle Doppelmoral ausgeschlossen. Mit amoralischen Mitteln wollen Marxisten ein supermoralisches Reich der Freiheit herstellen – nicht aus eigener Kraft, sondern als Anheizer einer Geschichtslokomotive, die auch ohne ihr Zutun ihr Ziel erreichen würde.

Stefan Aust war mitteninne im Revier der gewalttätigen Revoluzzer, doch gemein hatte er sich nicht mit ihnen gemacht. Das nennt man eine vorbildliche teilnehmende Beobachtung – ohne Teilhabe an der Gewalt. Nein, das Sendungsbewusstsein der Meinhofs und Baaders sei ihm fremd geblieben, erzählte er Ingo Zamperoni in den Tagesthemen.

Doch wer sandte die gewalttätigen Geburtshelfer einer nagelneuen Gesellschaft, wenn nicht der Erfinder?

a) Geburtshilfe mit Gewalt? Die historische Hebammen-Militanz der Marxisten verläuft in christlichen Bahnen. Augustin und Luther betrachteten das Weib als Gebärmaschine mit begrenzter Haftung. Sollte die Frau doch draufgehen bei der Geburt: das sei ihre göttliche Bestimmung. Eine Linderung der Gebär-Leiden der Frauen sei Ungehorsam gegen Gottes Willen oder der blasphemische Versuch, sich dem Fluch über Eva zu widersetzen. „Die Ärzte lehnten es bis zum Anfang des 20.Jahrhunderts ab, eine Behandlung der häufigsten [Todesursachen] der Frauen, das Kindbettfieber, in Erwägung zu ziehen.“

Der Klerus betrachtete solche Todesfälle als gerechte Strafe für ein sündhaft-lustvolles Leben oder für den Ausdruck der fortdauernden Verfluchung ...

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Umwälzung LV

Tagesmail - Mittwoch, den 02. Mai 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LV,

Den Willigen führt das Geschick, den Störrischen zwingt es.

Jede Geschichte, die den Menschen führt, wohin er nicht will, ist faschistisch.

Jede Heilsgeschichte, die den Menschen führt, wohin er nicht will, ihn für Gehorsam belohnt und für Ungehorsam bestraft in Ewigkeit, ist totalitär. Totalitär ist die äußerste Steigerung von faschistisch.

Alle Gewaltregimes, die den Menschen führen, wohin er nicht will, sind diktatorisch oder faschistisch. Diktatorisch sind sie, wenn ihnen das Schicksal ihrer Untergebenen gleichgültig ist. Faschistisch sind sie, wenn sie ihre Untertanen durch Zwang beglücken oder ihnen das Heil bringen wollen. Je umfassender ihre Macht über Abhängige, umso totalitärer werden sie.

Glück ist ein erfülltes Leben auf Erden, Heil ist ewige Seligkeit, die

a) durch irdisches Unglück erkauft werden muss. Im Christlichen reden wir von der „leidenden Kirche“ oder der ecclesia patiens. Oder

b) die schon auf Erden den Vorschein der Seligkeit erleben darf. Dann reden die Christen von der ecclesia militans oder triumphans, der militanten oder triumphierenden Kirche.

Die leidende Kirche war viele Jahrhunderte lang die Selbstbeschreibung der Deutschen. Ihr nationales Unglück, ihre Zerrissenheit und Zurückgebliebenheit, das klägliche Ende ihres Römischen Reiches deutscher Nation, empfanden sie als gerechte Strafe Gottes für ihre Sündenverderbtheit.

Im erfolgreichen Bismarckreich zeigten sich die ersten Siegesstreifen am Horizont (Kulturprotestantismus), der aber bald in Untergangsstimmung kippte. Erst im beginnenden Kriegsfieber Kaiser Willems loderte er gen Himmel. Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns sein?

Nach der Niederlage sank er kurzzeitig zurück auf den Status der ...

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Umwälzung LIV

Tagesmail - Montag, den 30. April 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LIV,

Trump hat es geschafft, er ist König der westlichen Welt.

„Es war nicht der Tag von Angela Merkel. Es war der Tag von Donald Trump! Das Friedenstreffen von Nord- und Südkorea, das von früh an schon auf allen TV-Kanälen lief, war Trumps großer, weltpolitischer Erfolg, den er auch auf offener Bühne in Merkels Gegenwart immer wieder feierte. Kein guter Tag, um ihm Zugeständnisse abzuhandeln. Was sein bejubelter Vorgänger Obama nicht auf die Reihe bekommen hat, schaffte er mit seiner Mischung aus Härte und Unberechenbarkeit. Um es in aller Nüchternheit zu sagen: Die mächtigste Frau der Welt (Forbes) fährt mit leeren Händen nach Hause.“ (BILD.de)

Fast in allen deutschen Medien gab es einen Erdrutsch. Nicht, dass sie Merkel früher nicht gescholten hätten. Dennoch waren sie stolz auf ihre Kanzlerin, die mächtigste Frau der Welt, auferstanden aus sozialistischen Ruinen, die dem Westen zeigte, wie gottgesegneter Kapitalismus geht.

Inzwischen ist sie nicht mal mehr unter den ersten Hundert einer amerikanischen Wichtigtuerliste. Das schmerzt die Nachfahren siegesgewohnter Neugermanen. Bislang wurde Merkel als letzte Verteidigerin eines verlässlichen Werte-Kanons gegen Trump gerühmt. Nun wird sie zur Versagerin, zur Magd des unvergleichlichen Königs Donald des Ersten, die nicht mal fähig ist, ihr eigenes Wort zu halten. Nach Washington fuhr sie mit leeren Händen.

Wer wen? Der Amerikaner die Deutsche. Der Mann die Frau. Der Unberechenbare die berechenbar Langweilige ohne Pep und Unterhaltungswert. Der rücksichtslose ...

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Umwälzung LIII

Tagesmail - Freitag, den 27. April 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LIII,

Nein, Ächtung hilft nicht, Giovanni di Lorenzo.

„Was noch wirksamer wäre als die notwendigen Sanktionen: starke Zeichen gesellschaftlicher Ächtung. Es reicht nicht, wenn die Empörung aus den Institutionen und von den Eliten kommt.“ (ZEIT.de)

Wie wär‘s mit einem kleinen Blick ins Netz-Wörterbuch, das heute jedem zur Verfügung steht? Oder sollten ausgerechnet Edelfedern keinen Wert mehr auf die Präzision ihrer Begriffe legen? Man muss sich nicht an überkommene Definitionen halten. Wer‘s aber nicht tut, sollte erklären, dass er eigene Definitionen verwendet, die sich von den traditionellen unterscheiden.

Ächtung benennt den Vorgang der Verhängung einer Friedlosigkeit oder einer Reichsacht infolge der Verurteilung wegen einer Straftat. Im erweiterten Sinn ist Ächtung eine informelle gesellschaftliche Sanktionierung von nicht-regelkonformem Verhalten; sie ähnelt der Verachtung“. Friedlosigkeit kennzeichnete im germanischen Stammesrecht den persönlichen Verlust des Rechtsschutzes infolge der Verurteilung wegen einer Straftat.“ (Wiki)

Verachtung, Verlust des Rechtsschutzes, sollen Mittel des politischen Kampfes sein? Protestbewegungen sind keine Verachtungs-, sondern Widerstandsbewegungen. Eine Widerstandsbewegung signalisiert: Bis hierher und nicht weiter, wir müssen ein Problem lösen, indem wir öffentlich streiten. Wie kann man mit jemandem streiten, den man verachtet – und partout nicht verstehen will? Auch Sie, Giovanni di Lorenzo, gehören zur Fraktion der Verstehensverächter. Die deutschen Eliten, zu denen Sie gehören, überbieten sich zurzeit in Ächtung des Verstehens. Verstehen ist auch ...

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Umwälzung LII

Tagesmail - Mittwoch, den 25. April 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LII,

„für Muezzins in Deutschland dürfe es kein Recht geben, in gleicher Lautstärke zu rufen, wie bei uns die Glocken läuten“. (Günther Beckstein und Peter Gauweiler, CSU)

Zukunftsfest marschiert die deutsche Machtelite in die Vergangenheit des klerikalen Absolutheitsanspruchs – der ungebrochen bis heute gilt. Erlöserreligionen basieren auf dem Dogma absoluter Unfehlbarkeit oder der absoluten Verworfenheit aller anderen Religionen.

„In der Verkündigung des Neuen Testaments ist ein selbstverständlicher Absolutheitsanspruch enthalten: Jesus ist der Kyrios (Herr), im dem allein das Heil gefunden wird.“ (RGG)

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

„Er (Jesus) ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“

Nach christlich unfehlbarem Glauben – der angeblichen Quelle der Demokratie – muss jeder Mensch nach seinem Tod vor dem Richterstuhl Christi erscheinen:

„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.“

Im Jüngsten Gericht wird der sanfte, nächstenliebende Jesus Gericht halten über ...

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Umwälzung LI

Tagesmail - Montag, den 23. April 2018

Hello, Freunde der Umwälzung LI,

„kein Verständnis“: WELT-Chefredakteur Poschardt ließ bei Anne Will seinen BILD-Kollegen Reichelt nicht vermissen – der bei Plasberg die stolze deutsche Verstehenskultur seit Herder versenkt hatte. Niemand widersprach, die unfähige Moderatorin überhörte den Imperativ (was nach Philosophie riecht, wird im öffentlich-rechtlichen TV mit strenger Miene ausgesondert) und also ergab sich das Bild, dass eine Talk-Show zusammentrat, um über ein Thema zu sprechen, das sie nicht verstehen wollte.

Undeutsche Frage: kann man etwas debattieren, das man nicht verstanden hat? Man stelle sich eine Talkshow über Facebook vor mit Teilnehmern, die nicht mal ein Smartphone besitzen.

Sag mir, mit welchen Methoden du ein Thema malträtierst – und ich sage dir, wie lästig es für dich ist. Ach, es ging ja nur um Antisemitismus, ein Problem, das von deutschen Führungsklassen von aller Verstehenspflicht befreit und zum erkenntnislosen Ritual degradiert wurde. Je mehr die Gefahr des Antisemitismus um sich greift, je verständnisloser werden die Meinungsmatadore der Gesellschaft, die ihre Vergangenheit bearbeitet haben wollen – obgleich sie ihnen aus allen Poren dringt.

Wird ein auf den Nägeln brennendes Problem nicht adäquat durch Verstehen und Erklären gelöst, bleibt nur der exekutive Hammer. Kauder forderte umfassende Meldepflicht nach oben – und dann, Volker Kauder?

Seine Parteifreunde fordern Abschiebung der Übeltäter. Abschieben aller gläubigen Christen, in deren Neuem Testament Judenhass als Teil der Frohen Botschaft gepredigt wird? Dann wäre Deutschland christen- und nicht judenfrei. Eine erfrischende Perspektive. Wir hätten viele Arbeitsplätze und freie Wohnungen für Abermillionen Flüchtlinge.

Wird ein Problem nicht verstanden, bleiben nur Haudrauf-Maßnahmen. Warum wurde der gemobbte jüdische Schüler aus der Schule genommen – und nicht ...

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Umwälzung L

Tagesmail - Freitag, den 20. April 2018

Hello, Freunde der Umwälzung L,

„wenn du uns blöd kommst, kriegst du auf die Fresse.“

Der Trump-Express nimmt Fahrt auf. Nicht nur Null-Toleranz-Giuliani schließt sich Trumps rasend wechselndem, sich jeden Tag neu erfindenden, winning team an. Er soll bereits beliebter sein als sein Vorgänger, behauptet wenigstens ein Institut. Sollte er seinen geistesverwandten nordkoreanischen Coworker demnächst bezähmen, wird er Mühe haben, den Friedensnobelpreis abzulehnen – mit der Begründung, externe Moralbelobigungen seien unter seiner Würde. Was Bob Dylan kann, könne er schon lange. Ohnehin lasse er sich nur von Amerikanern huldigen. Auch was Ehrungen betrifft, halte er es mit seinem Motto: Amerika zuerst – dann lang lang nichts.

Auch die Deutschen werden allmählich ihrer gottesfürchtigen Gouvernante – die ihren Dreck-am-Stecken durch Nullsprache und Demuts-Gesicht zu verbergen weiß – überdrüssig und schauen sich bereits um nach beleidigungsfähigen, rauflustigen He-Männern wie Jens Spahn. Nein, der kinderlieder-singenden Ex-Ministrantin Andrea Nahles trauen sie die Umsetzung ihrer Gossensprüche („ab morgen gibt’s in die Fresse“) nicht zu. Sie schwitzt zu sehr beim Randalieren.

Die beginnende Epoche der Weltgeschichte wird nicht nach Google und Facebook benannt, sondern nach – Donald Trump mit den wehenden Goldhaaren. Dann wird wahr, was der junge Donald schon immer erträumte:

„Der Junge stand auf einmal da in aller Herrlichkeit, und die Goldflocken fielen ihm um das Haupt, und er glänzte wie die Sonne. Da erkannte der König gleich seinen Retter, fiel vor ihm nieder und sprach: »Verzeihung!« Der Junge hob ihn auf, und nun ...

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