Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt LXI

Tagesmail - Mittwoch, den 09. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXI,

„Sollte man nicht fortgehen aus dem Paradies, solange man noch am Leben ist?“ – fragt sich Jürgen Schmieder, Korrespondent der SZ in Kalifornien, wo ein Erdbeben „biblischen Ausmaßes“ das traumhafte Land an der Westküste jederzeit auslöschen, Amokläufer und Terroristen Schulkinder erschießen und Waldbrände jeden Sommer die teuersten und sichersten Villen in Schutt und Asche legen können. (Sueddeutsche.de)

Auch Deutschland ist ein Paradies mit Chaos-Perspektiven. Hier denkt niemand an Flucht. Auch nicht an Verhinderung des Chaos, das so sicher wie das Amen im Gebet über das glückliche Land kommen wird.

Naturkatastrophen kann man nicht verhindern, man könnte aber versuchen, ihren Auswirkungen vorbeugend zu entfliehen. Muss man denn am Fuße eines explosionswilligen Vulkans wohnen? Ganz Kalifornien umsiedeln aber könnte ein bisschen schwieriger werden.

Menschengemachten Desastern allerdings könnte man sich mit aller Kraft entgegenstemmen – wenn man wollte. Wer will denn sowas, solange alles friedlich scheint?

Die Lehre vom Schein und Sein diente früher dazu, den trügerischen Schein zu durchbrechen, um zum wahren Sein vorzudringen. Heute ist alles scheinhaft und trügerisch, doch der Schein ist zum Sein geworden. Unmittelbar hinter dem Trug beginnt – das Nichtsein, das niemand will.

Oder doch? Vielleicht wäre es trefflicher zu sagen: das Nichtsein will jeder, weshalb niemand drüber spricht, damit kein Weltverbesserer sich ermutigt fühlt, die beste aller Welten zu verschlimmbessern. Nichts schlimmer als Utopisten, die aus ...

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Sofort, Hier und Jetzt LX

Tagesmail - Montag, den 07. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LX,

woran erkennt man den Weltuntergang und wie sollte man sich angesichts des Endes am sinnvollsten verhalten?

Die Frau ist nicht nur Ursprung der Sünde, sondern auch die finale Zerstörerin. Kann auch nicht anders sein, wenn die heiligen Bücher vom Anfang und Ende der Welt von Männern verfasst wurden.

„Das vierte und letzte Zeitalter im hinduistischen Glauben wird geprägt von der Verwandlung der Mutter in die Zerstörerin. Der Grund für diese Verwandlung liegt im sittlichen Verfall des Menschen. Sie werden gewalttätig und sündig, weil sie im weiblichen Prinzip nicht mehr die Göttin erkennen. Wegen abnehmender Erkenntnisfähigkeit und verstärkter sinnlicher Begierde der Menschen im Kali-Yuga-Zeitalter werden sie unfähig, die Frauen als Verkörperung der Shakti zu erkennen.“

(„Shakti, wörtl. „Kraft“, „Energie“, steht im Hinduismus für die weibliche Urkraft des Universums − sie stellt eine aktive Energie dar. Die unzähligen indischen Göttinnen werden als Form von Shakti angesehen.“)

Nur wenige schaffen es, dem Verfall zu entgehen, „wenn sie sich dem Lotos am Fuße ihrer Mutter und ihren eigenen Ehefrauen hingeben.“

Nur weibische, schwache Männer, Träumer und Phantasten, schaffen es, sich der Katastrophe entgegenzustellen. Knallharte He-Männer gehen aufrecht ins Verderben.

Die Göttin wird alles vernichten und ins ursprüngliche Chaos zurückkehren. Nach einer nicht messbaren Zeit – weil auch die Zeit vernichtet wurde – wird Kali ein ...

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Sofort, Hier und Jetzt LIX

Tagesmail - Freitag, den 04. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LIX,

Jahreswende – Gesinnungswende? Wie sind die Zeichen an der Wand?

Daniel musste eine unbekannte Sprache übersetzen, um dem Machthaber Belsazar die Realität zu dechiffrieren. Er sagte, was ist: Mene, mene, tekel, uparsin. Kann man sich vorstellen, dass die heutigen Daniels der deutschen Kanzlerin diese Botschaft ins Gesicht sagen würden?

Mene: Gezählt, das heißt, Gott hat gezählt die Tage Deiner Königsherrschaft und sie beendet. Tekel: Gewogen, das heißt, Du wurdest auf der Waage gewogen und für zu leicht befunden. Peres (U-parsin): Zerteilt wird Dein Königreich und den Persern und Medern übergeben.“

Journalisten sind keine Propheten? Propheten taten auch nichts anderes, als die Wirklichkeit – die von Gott bestimmte – leserlich zu machen. Ihre Voraussagen der Zukunft waren nichts anderes als Gegenwartsanalysen: Wenn ihr euch nicht ändert, wird die erbärmliche Gegenwart eure Zukunft bestimmen.

Propheten waren Politanalytiker, die den Menschen die Augen über ihren Ist-Zustand öffnen wollten. Da Gott die gesamte Wirklichkeit beherrschte, war deren Wahrnehmung zugleich eine göttliche Offenbarung.

Was in Theokratien die Spezialbegabung weniger Erwählter war – die Wirklichkeit erkennen –, sollte in Demokratien die Fähigkeit jedes Einzelnen sein. Sinnvolle Entscheidungen in der Volksversammlung kann man nur fällen, wenn man die Realität erkennt, wie sie ist. Wenn jeder Einzelne erkenntnis- und wahrnehmungsfähig ist, ...

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Sofort, Hier und Jetzt LVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 02. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LVIII,

die vorbildlichsten Völker der Welt müssen zuerst dran glauben. Zu ihnen gehören die Huni Kuin in Brasilien. Mit dem Stammesführersohn Txana Bane sprach Jana Petersen in der TAZ:

„Wir sind immer draußen, in der Natur, es gibt kein drinnen. Wir haben traditionell keine geschlossenen Häuser, keine Badezimmer. Es gibt keinen elektrischen Strom, kein fließendes Wasser und kein Internet. Es führt keine Straße zu uns, jeder, der zu uns kommt, muss viele Stunden mit dem Boot fahren. Internet gibt es im Städtchen Jordao, aber stabil ist es nicht. Ich bin im Wald aufgewachsen, komplett ohne Einflüsse aus der Zivilisation.

Traditionell kennt unsere Kultur kein Geld. Wir verschenken unsere Sachen gern. Deswegen war es für uns sehr dramatisch, als wir Kontakt mit Menschen von außen hatten, denn wir haben viel verschenkt und wenig zurückbekommen. Seit der Wahl von Bolsonaro fühlen wir alle eine Bedrohung. Wir sind in einer Art Schockstarre. Wir haben große Angst, dass unseren Menschen und unserer Natur etwas angetan wird, weil es schon eine große Wunde gibt. Durch ihn werden die Schreckgespenster der Vergangenheit wiederbelebt. Es fühlt sich an wie eine Invasion. Unser Volk ist komplett traumatisiert, wir haben Erlebnisse hinter uns, die man kaum erzählen kann.

Wir haben viel Gewalt erfahren, als es die ersten Kontakte mit den Weißen gab, das waren Desaster. Die Weißen, die damals Kautschuk gesucht hatten, sind sehr brutal gegen die Huni Kuin vorgegangen. Wir wollen nicht isoliert im Wald leben. Wir wollen Wege finden, wie wir gemeinsam mit der Außenwelt nach vorn denken können, ohne unsere Kultur aufzugeben. Der Schutz unserer Kultur und der Natur, in der wir leben: Das gehört in unserem Leben immer zusammen.

Unsere Kultur ist verwoben mit der Natur, an den Liedern kann man das gut erkennen, die alle Aspekte der Natur besingen. Ich weiß nicht genau, was Sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt LVII

Tagesmail - Montag, den 31. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt LVII,

zum Abschluss des Jahres die Verantwortung der Verantwortungslosen.

„Zudem kündigte Merkel höhere Ausgaben für Verteidigung und Entwicklungshilfe an. Deutschland müsse "im eigenen Interesse mehr Verantwortung übernehmen.“ (Sueddeutsche.de)

Wie wollen Politiker Verantwortung übernehmen für Prozesse, die sie für unkontrollierbar halten? Fortschritt und Wirtschaft halten sie für grenzenlos und unbeherrschbar. Risiken und Gefahren der Grenzenlosigkeit scheinen sie nicht zu kennen. Und wenn doch: sie umarmen das Unvermeidliche und unterschreiben blind. Leichtsinn? Abenteuertum? Eskapismus?

Ach, s‘ist Liebe. Warum? Weil heute alles Liebe ist. Selbst steigende Rüstungsausgaben, ungebremste Naturzerstörung und das Anheizen des Klimas.

Umarmt den Fortschritt, das Schicksalhafte und Unabwendbare. Lebt gefährlich. Stürzt euch in die Hände des lebendigen Gottes. Predigen faschistische Despoten, deutsche Medien und Führungsklassen. Die deutsche Kanzlerin unterschreibt jeden Blankoscheck auf die Zukunft – im Schutz ihrer kreatürlichen Ergebenheit.

Wer wissen will, was er verantworten soll, kann kein Gottvertrauen besitzen. Das wäre das Ende des Abendlands. Wenn Weltpolitik gott-gelenkte Geschichte ist und nichts Menschen-Gemachtes, muss ihre Kontrolle Misstrauen gegen Gott sein. Verantwortung wäre Blasphemie.

Vertraut eurer Kanzlerin, sie liebt euch, selbst der Begriff „Ökologie“ ist ihr nicht unbekannt. Sie hat einen doppelten Blick von Oben, sei es als ...

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Sofort, Hier und Jetzt LVI

Tagesmail - Donnerstag, den 27. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt LVI,

Auch mit richtigen Geschichten kann man betrügen: wenn sie daherkommen, als könnten sie im Einzelnen ein Ganzes adäquat darstellen. Sei es ein politisch Bedeutsames, moralisch Vorbildliches oder Abschreckendes.

Kann eine konkrete Tatsache beispielhaft für eine allgemeine Aussage stehen? Kann die Beschreibung eines einzelnen Fakts Aufschluss geben über eine umfassende Gesamtheit?

Umfragen haben ergeben, dass die Deutschen Helene Fischer für eine überragende Künstlerin halten.

Woher weißt du das?

Ich habe eine Umfrage gemacht.

Mit wie vielen Probanden?

Mit unsrer Patchwork-Familie am Heiligen Abend. Das sind nicht wenige.

Schon klar.

Das Hauptproblem der Demoskopen ist die repräsentative Stichprobe, mit welcher von Wenigen auf Viele, von einer Minderheit auf eine Gesamtpopulation geschlossen werden darf. Wie kann ich wissen, ob eine Stichprobe repräsentativ war, wenn ich das Gesamtbild nicht kenne?

Kann ich erst mal nicht. Ich kann aber lernen, die Qualität der Stichprobe immer mehr zu verbessern, wenn ich anschließend das Gesamtergebnis erfahre. Meine Auswahl war umso trefflicher, je mehr die Prognose sich dem späteren Gesamtergebnis annäherte.

Bei politischen Wahlen etwa. Prognosen, die das Endergebnis am präzisesten vorhersagen, haben das Problem der Auswahl am genauesten gelöst – wenn sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt LV

Tagesmail - Freitag, den 21. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt LV,

„Grauenvoll fasste der Brand nun das CHAOS; völlig der Anblick
War's für das Auge, zugleich für's Ohr auch das nämliche Tosen,
Wie wenn gegen die Erde von oben der wölbende Himmel
Nieder sich senkte; so mächtig erhob sich ja das Gekrache,
Als sie zermalmt nun läge, und er sie von oben zermalmte.

So denn tobte der Lärm, als zum Kampf anstürmten die Götter.
Und mit Getos auch jagten die Winde den Sturm und den Staub auf,
Donner und lodernden Blitz im weithinflammenden Wetter.“ (Hesiod)

„Und die Erde war Tohuwabohu und es war finster auf der Erde“.

Retour zum Chaos? Zurück zum Tohuwabohu? Das Chaos liegt vor uns, das Tohuwabohu liegt in der Zukunft. Wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorn: in das Chaos, in das Tohuwabohu. Da sind wir sicher, da kann uns nichts mehr geschehen. Im Chaotischen und Regellosen erst werden wir Ruhe finden. Ach, wir sind des Treibens müde.

„Trump macht das Chaos perfekt“. Die führende Macht der Welt wird von einem multiplen Rechtsbrecher, mit allen Wassern gewaschenen Paten und weltgefährdenden Hasardeur beherrscht. „Ein Raketeneinschlag, eine Bombe, eine Explosion, selbst in der Sprache der Militärs gibt es wohl kein Wort, das der politischen Tragweite des Rücktritts von US-Verteidigungsminister James Mattis gerecht wird.“ (SPIEGEL.de)

Raketeneinschläge überall auf der Welt. Lärm, Kampf, Donner, Getöse, Blitz und weithinflammende Wetter auf allen Kontinenten. Der russische Machthaber warnt vor dem nächsten Atomkrieg. Das Klima könnte den Planeten für den Menschen unbewohnbar machen.

Die Evolution hat ein Einsehen mit der Natur und befreit sie von einem Geschöpf, das sich mit ihr nicht abfinden wollte. Es wollte sie aus dem Wege räumen, um eine ...

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Sofort, Hier und Jetzt LIV

Tagesmail - Mittwoch, den 19. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt LIV,

wenn das Heilige Kind versagt – zumal es nur ein Mädchen ist –, muss es von WELT-Männern entzaubert werden.

„Stammte die Rede von Greta? Oder wurde sie ihr eingeflüstert von Erwachsenen? Ersteres wäre ein verzeihlicher Fall von jugendlicher Naivität. Letzteres würfe die Frage auf, wo die Instrumentalisierung von Kindern beginnt. Kinderarbeit, gewissermaßen.“ (WELT.de)

Maria, die Mutter Gottes, hätte Ansgar Graw mit Sicherheit nicht so zu dekonstruieren gewagt. Maria, von Gott als bloße Brutmaschine für seinen Sohn missbraucht?

Zuerst einige glattzüngige Anerkennungen über Gretas Rede, die keine sind, dann schnörkellos zum patriarchalen Verriss.

„Mutmaßlich politisch ausgesprochen reif für ihre 15 Jahre. Geriet zum Höhepunkt der Klimakonferenz. Verdient Beifall in Zeiten, in denen Teenager an Politik wenig interessiert zu sein scheinen.“

Für eine politisch desinteressierte Generation nicht übel. Zumal sie mit einer „alarmistischen Rede“ genau das aussprach, was der geistverlassene Zeitgeist hören will. Ganz schön geschickt für eine Prophetendarstellerin – wenn sie nicht ohnehin das gefügige Werkzeug skrupelloser Erwachsener ist, die sich nicht scheuen, für ihren apokalyptischen Wahn geltungssüchtige Pubertierende einzuspannen.

Wie man in wenigen Sätzen den Wahn der Welteliten darstellen kann, dazu ...

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