Philosophische Tagesmails

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Tagesmail - Mittwoch, den 03. April 2019

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Angela Merkel übt zivilen Ungehorsam gegen Trump: sie verspricht die Erhöhung des Militäretats – und hält ihr Versprechen nicht.

Das ist löblich. Die besten Armeen sind jene, deren Waffen und Geräte verrotten. Durch pazifistische Verwahrlosung hofft Merkel, doch noch den Friedensnobelpreis zu erhalten – und Greta Thunberg vor der Nase wegzuschnappen.

Angela Merkel übt listige Obrigkeit und lobt die Freitagsdemonstranten: gut, dass ihr uns einheizt. Über lästige Schulpflicht zu reden, überlässt sie nachgeordneten Behörden.

Schulpflicht und ziviler Ungehorsam sind in Deutschland föderale Angelegenheiten. Das Gewissen ist fest in Händen des Kultus. Kultus ist „Verehrung einer Gottheit durch religiöse, rituelle Handlungen“ – Kultusminister sind demnach Angestellte Gottes.

Gewissen haben Abgeordnete nur, wenn sie sich vom Volke wählen lassen, nicht aber daran denken, seine Aufträge auszuführen.

Wenn Abgeordnete ihrem Gewissen folgen, üben sie zivilen Ungehorsam gegen das Volk, (pardon für die Herabstufung); sie zelebrieren spirituellen Ungehorsam gegen den Pöbel. Der Pöbel – das „Volk“ – hat kein spirituelles Gewissen, es kann nur heidnischen Einflüsterungen des Ungehorsams gegen die Obrigkeit folgen.

Normale Deutsche praktizieren keinen zivilen Ungehorsam. Sie sind stolz darauf, ein spirituelles Volk zu sein – das sich erkühnt, seinen Priestern durch die Hintertür zu entkommen. Jährlich verlassen X-Tausende die Kirche, ohne einen Mucks über ihre Beweggründe verlauten zu lassen. Gleichzeitig halten sie sich für spiritueller als die Kultusdiener der Kirchen. Diesen Popenklamauk, nein, den brauchen sie nicht, um ...

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Tagesmail - Montag, den 01. April 2019

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Estragon: Komm, wir demonstrieren gegen den Untergang!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf den Untergang!
Estragon: Ah!

Die Deutschen spielen ihr Lieblingsspiel: Wir sind dann mal weg.

Sie wollen geräuschlos, diszipliniert und erhobenen Hauptes untergehen – unter Wahrung der Schulpflicht und der grenzenlosen Freiheit, sich ihren Abgang von keinem Verbot vermiesen zu lassen.

Die Gegner der infantilen Alarmisten – ausnahmslos versteinerte Männer und mächtige Pastorentöchter – beharren auf dem Recht der Titanic, unter lieblichen Klängen der Bordkapelle im eiskalten Wasser zu verschwinden.

Wem Revolution verboten ist, weil er den Rasen des Kanzleramts nicht betreten darf, dem ist auch Widerstand gegen das Klippenspringen der Lemminge verboten.

Eine Nation, die Sterbehilfe verbietet, ist vernarrt in das Risiko, durch kollektive Sterbehilfe den Abgang zu machen.

Abtreiben von Ungeborenen ist verboten, Abtreiben von Geborenen aber ein Geschenk Gottes, das niemand ablehnen darf.

Angehörige der Erlöserreligionen finden es ungeheuer, das vorausgesagte Jüngste Gericht abzulehnen. Wer den Untergang verschmäht, wird sich den Aufstieg ins Himmelreich verscherzen.

Bedroht eine fremde Macht die eigene Nation mit Auslöschen, wird sie mit Bundeswehr und NATO zurückbedroht. Wer aber die ganze Welt ausradiert, wird in ...

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Tagesmail - Freitag, den 29. März 2019

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die Lern- und Erkenntnisbewegung der Jugend wird zum Kinderkreuzzug, zur Erweckungsbewegung – bei Stefan Aust, Herausgeber der WELT, der vermutlich auf Anordnung des Springerchefs Döpfner bei Maybritt Illner antreten musste, um den bemitleidenswerten TV-Auftritt Ulf Poschardts auszubügeln.

Die strahlende Intelligenz, das aufbrechende Verantwortungsbewusstsein einer Generation wurde von Aust in religiösen Gehorsam und militanten Wahn verfälscht. Kann der Ex-Spiegel-Chef nicht unterscheiden zwischen Vernunft und Glauben?

Nein. Deutsche kennen nicht den Unterschied zwischen Gebrauch des eigenen Kopfes und blinder Übernahme höherer Botschaften. Sie glauben mit Vernunft, vernünfteln mit Glauben: eine der elementarsten Schwächen der einstigen Denker und Dichter und heutigen Besieger der Vernunft mit Hilfe klerikaler Dogmen.

Wir nähern uns dem Zentrum des geistigen Vakuums der Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Konversion zur Demokratie nicht verknüpfen konnten mit ihrer jahrhundertealten protestantisch-theokratischen Tradition, die, von der Epoche der Aufklärung nur kurz unterbrochen, ab Hegel wieder zurückkehrte zum moralfreien, allmächtigen Gott jenseits von Gut und Böse.

Sie hätten die Unverträglichkeit wahrnehmen müssen zwischen Luther und Erasmus, Glaubensgehorsam und griechischer Wiedergeburt der Renaissance, himmlischer Fernsteuerung und Selbstbestimmung, Hamann und Kant, Romantik und Aufklärung.

Der Theologe Johann Georg Hamann, ein Zeitgenosse Kants, war der Begründer der deutschen Gegenaufklärung, die das Denken der Deutschen in den folgenden ...

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Tagesmail - Mittwoch, den 27. März 2019

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„"Die Medien sollten jetzt in sich gehen", schrieb das "Wall Street Journal" in einem Leitartikel. "Es muss eine Abrechnung geben", forderte die Kolumnistin Mollie Hemingway im "Federalist". Aber auch Michael Tracey, ein Kommentator für die sonst eher Trump-kritische Tageszeitung "New York Daily News", sprach von "einem journalistischen Versagen von fast undenkbar monumentalen Ausmaßen".“ (SPIEGEL.de)

In Amerika erleidet der Journalismus eine Niederlage von „fast undenkbar monumentalen Ausmaßen“ – in Deutschland geht alles seinen gewohnten Gang. Still ruht der See. Keine Zeitung fühlt sich angesprochen, kein Edelschreiber kommentiert das amerikanische Urbeben. Niemand geht in Sack und Asche, keine Gazette erscheint mit Trauerrand. Atem anhalten und schweigen, bis sich die Einschläge wieder entfernen. Merkels Taktik ist die Taktik der Deutschen, weshalb sie nicht voneinander lassen können.

Liegt der Journalismus am Boden, verendet die Demokratie. „Verzockt“ – lautet die Überschrift eines SPIEGEL-Artikels: aber nicht über sich selbst, sondern über die amerikanische Opposition.

„"Ich hoffe das motiviert uns alle, lieber von Themen zu reden, die unser tägliches Leben betreffen", sagte Pete Buttigieg, einer der meistgehypten Demokraten-Kandidaten, im Sender MSNBC. Die Partei habe 2016 auch deshalb "ihren Weg verloren", weil sie zu viel von Trump geredet habe und zu wenig von den Wählern.“ (SPIEGEL.de)

Von Anfang an wurde Trump als Antichrist, als Destruktor der amerikanischen Demokratie beschrieben. Begriffe aus der Offenbarung des Johannes, abwechselnd mit Diagnosen der Psychopathologie, wurden verwendet, um den Sieger zu beschreiben, mit dem kaum jemand ...

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Tagesmail - Montag, den 25. März 2019

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was ist, wenn der Präsident der mächtigsten Nation der Welt nur noch nach kriminellen Taten beurteilt wird – und nicht nach Grundprinzipien seiner Politik?

Was ist, wenn der mächtigste Präsident der Welt triumphiert, nur weil er – keine Verbrechen begangen und nicht gegen Gesetze verstoßen hat?

Was ist, wenn in der mächtigsten Demokratie der Welt demokratische Spielregeln und Kriterien auf dem Boden des Rechts keine Rolle mehr spielen?

Dann ist das Ende nahe herbeigekommen, der Geist der Demokratie verschwunden, das Gerippe bewegt sich mechanisch auf der Stelle. Während über unbewiesene Verbrechen jahrelang spekuliert wird, begeht der Präsident vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen flagranten Rechtsbruch, der mit internationalem Schweigen quittiert wird. Er tritt das Völkerrecht mit Füßen und liefert die Golanhöhen der Macht Israels aus. Die oppositionelle Tätigkeit der Demokraten begnügt sich mit polizeilichen Verdächtigungen. Die politische Auseinandersetzung wurde marginalisiert.

Ist das bisherige Idol aller Demokratien dem Exit nahe, droht seinen Vasallen, Bewunderern und Plagiatoren das gleiche Schicksal.

Amerika war, nach dem Zweiten Weltkrieg, ideales Vorbild, souveräner Erzieher und väterlicher Freund der westlichen, ja, aller Demokratien in der Welt. Kein Hemingway, kein Gary Cooper, keine Hippiebewegung als Vorbild aufmüpfiger Jugend, kein Jazz, Pop, keine Weltuntergangs- und messianischen Endzeitphantasien à la Hollywood, keine Globalisierung und KI, keine elektronische Weltvernetzung, kein digitaler Überwachungshorror, kein Allmachtswahn als Beherrschung des Weltalls und Verwandlung ins Unsterbliche ohne das zweite Kanaan, vom Himmel erwählt und zum finalen Triumph berufen, das sein Gottvertrauen auf seinen Geldscheinen verewigt: In God We Trust.

Seit Beginn der Trump-Epoche konzentriert sich die Empörung der Öffentlichkeit – an der täglichen Leine medialer bad-news-Besoffenheit – auf kriminelle Taten des Verdächtigen.

Lange wird sich der Rüpel im Weißen Haus nicht halten, unsere Enthüllungen wird er nicht überleben, dafür werden wir sorgen, wir unbestechlichen Beobachter, Zeitungen und TV-Kanäle. Nun stehen sie betroffen, Vorhang zu und alle Fragen offen. Entweder war es ...

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Tagesmail - Freitag, den 22. März 2019

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Markus Lanz hatte eine exquisite Idee. In seine öffentlich-rechtliche Bildungssendung hatte er Jean Ziegler als exotisches Exemplar einer aussterbenden Gattung eingeladen, die der Welt dreist den Spiegel vorhält.

Woran erkennt man den inhumanen Kapitalismus, Herr Ziegler? Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort, die niemanden überraschte: „Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind.“ Die Menschheit sei reich genug, alle Menschen ausreichend zu ernähren. UN-Wissenschaftler würden behaupten, die Erde könne mühelos 11 bis 12 Milliarden ernähren (gegenwärtig: 7,35 Milliarden).

Wie in deutschen Interviews üblich, unterließ es Lanz, zwingende Nachfragen zu stellen:

Könnte die Natur den gigantischen ökologischen Fußabdruck dieser Massen verkraften? Wäre der Planet in der Lage, die Menschheit mit naturverträglichen Methoden zu ernähren? Kann ein Paar verantworten, noch Kinder in die Welt zu setzen?

Danach durfte Ziegler einen Monolog halten. Er erzählte von Kindern im Kongo, die unter höllischen Bedingungen jenes Mineral aus lebensgefährlichen Schächten gewinnen, das zur Produktion von Handys unerlässlich ist.

„Die glamourösen Läden und das Marketing der neuesten Technologien stehen in starkem Kontrast zu Kindern, die Säcke mit Steinen schleppen, zu Minenarbeitern in mit der Hand geschlagenen Schächten und zu dauerhaften Lungenschäden." (ZEIT.de)

Nein, internationale Industriegiganten leben doch nicht von Kinderarbeit. Für ...

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Tagesmail - Mittwoch, den 20. März 2019

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Neuseeland war das letzte sündenfreie Paradies der Erde. Nun gibt es keines mehr. Alles ist befleckt, entehrt, besudelt. Kein Fleckchen Erde mehr, wo Menschen den Schein einer unberührten Natur erleben können, als Zeugen, die sich einbilden dürfen, dass ihr Beobachten keine Spuren hinterlässt.

Rundum ist sie entjungfert und geschändet, die Erde, die Mutter Natur, die Schöne und Reine. Das Böse hat Einzug gehalten. Es gibt kein Plätzchen mehr, wo der Mensch verdrängen kann, dass sein Fußabdruck als Herr und Despot der Erde blutrot gezeichnet ist.

Nun gibt es kein Halten mehr. Was gebrandmarkt ist, kann nicht, darf nicht mehr gerettet werden. Schon ist die Axt dem letzten Baum an die Wurzel gelegt, wie jeder Baum, der keinen Gewinn bringt, abgehauen und ins Feuer geschickt wird. Der Mensch hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne fegen und seinen letzten Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Neuseeland war das letzte Land ohne menschliche Brandzeichen. Nun kommt die finale Epoche, in der die gesamte Natur zur Spreu verurteilt und ins Feuer geworfen wird.

Wenn Deutsche in die Welt reisen, fliehen sie vor der beschädigten Natur ihres Landes, die sie Heimat nennen und deren Anblick sie nicht mehr ertragen. Sie müssen in die Ferne, wo sie das Unberührte zu finden hoffen. Natur ist da, wo du nicht bist.

„Liegt dort hinter jenem Walde nicht ein fernes, fremdes Land?“

Sie empfinden sich als Märtyrer, wenn sie ihre Heimat verstümmeln, um die Welt mit Tand zu überfluten. Müssen sie sich nicht opfern, das Eigene verwüsten, um ...

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Tagesmail - Montag, den 18. März 2019

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lasset die Kindlein zur Demo kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich der Erde.

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Das Genie ist früh komplett.

«Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis», sagte Lindner. In einem alten Video aus Schulzeiten Lindners, das vor anderthalb Jahren aufgetaucht war, hatte sich der damals 18-Jährige noch ganz anders über Schule geäußert: Darin sagt er, dass er die Schulzeit nur abgesessen habe.

Als Schüler haben wir damals in unserer Freizeit Grenzpfosten zersägt: Währung, für eine europäische Umweltpolitik“, so Altmaier.

FDP-Lindner und CDU-Altmaier halten Jugendliche für politisch inkompetent, rühmen sich aber ihrer eigenen frühreifen Politerfahrungen.

Wie oft veranstalten Klassen Bildungsreisen in alle Welt?
Wie oft fallen naturwissenschaftliche Fächer aus, weil es keine LehrerInnen gibt?

In Technik, KI, Sport, Geigen- und Klavierspiel können Genies nicht jung genug sein. Besonders, wenn sie für ihr Land Ehre und Ruhm einheimsen.

Lernt man in Schulen Demokratie und Ökologie?

Also auf in die verheißungsvolle Realität. Welch wunderbare Gelegenheit, Verantwortung in weltumspannender Vernetzung zu lernen und zu demonstrieren. Wenn die Schule versagt, muss das Leben einspringen. Es müsste schulische ...

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