Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt IV

Tagesmail - Freitag, den 26. April 2013

Sofort, Hier und Jetzt IV,

„wenn man nicht weiß, worüber man sprechen soll, dann spricht man über das Wetter. Politische Debatten sind derzeit rar gesät, die Parlamentarier sind anders als die Talkmaster noch bis Mitte September in der Sommerpause. Und so ist genug Zeit, um bei Illner mal wieder grundsätzlich zu werden.“ (WELT.de)

Fällt einem sonst nichts ein, spricht man über die Gefährdung der Gattung. Grundsätzliches wird zum Zeitvertreib und zur Verlegenheitslösung. Mit Politik haben Wichtigtuereien nichts zu tun.

Keine Rede, dass die Deutschen lethargisch oder apathisch wären angesichts des Großen Kollaps. Sie verbitten es sich geradezu, sich ein schlechtes Gewissen machen zu lassen. Fröhlich wollen sie es der Apokalypse zeigen. Wer schon verschiedene Weltuntergänge überlebte, wird sich von einem bisschen Wetter nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wenn sie untergehen, dann mit Hurra, wenn nicht, haben sie es den Untergangspropheten gezeigt.

„Als ich nach 1949 nach sechszehnjähriger Emigration nach Deutschland zurückkehrte, war ich aufs freudigste überrascht über die Gelöstheit, fast könnte man sagen Fröhlichkeit, mit der sich das deutsche Volk an die Arbeit machte, verbunden mit einer gegenseitigen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die weit über die Atmosphäre der Weimarer Zeit hinausging.“ Schrieb Alexander Rüstow, einer der bedeutendsten deutschen Ökonomen (den Deutschland sich erlaubt, der Vergessenheit anheimzugeben).

Katastrophen machen die Deutschen zu Menschen. Der Plunder der Zivilisation, das „stahlharte Gehäuse“ der Moderne ist über Nacht abhandengekommen. Der Mensch steht dem Menschen gegenüber nackt und bloß, wie Gott ihn schuf. Und siehe, sie ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt III,

Tagesmail - Freitag, den 26. April 2013

Sofort, Hier und Jetzt III,

Einerseits:

„Seriöse Manager bewerten Risiken in Bilanzen nämlich konservativ – das heißt, sie gehen eher vom schlechtmöglichsten Ausgang etwa eines Rechtsstreits aus, um nicht unvorbereitet in die roten Zahlen zu rutschen. Genauso sollten wir es in der Klimapolitik halten: Niemand weiß genau, wie folgenschwer der Klimawandel wirklich sein wird. Doch anstatt lang und breit über die Unsicherheiten der Simulationen zu debattieren, müssen wir vorsorgen. Wegen des Risikos, das für die Menschheit besteht.“

Andererseits:

„Dass die Menschheit bislang trotz dieses ausgeprägten Problembewusstseins nicht handelt, wie es nötig wäre, hat ganz andere Gründe. Eine Ursache ist die mächtige Industrielobby. Die deutschen Autohersteller beispielsweise wehren sich bislang erfolgreich gegen wirksame CO2-Reduktionen bei ihren Autos. Auch die Betreiber von Kohlekraftwerken konnten radikale Einschnitte bisher verhindern – im Zweifel mit Unterstützung der Gewerkschaften.“ (SPIEGEL.de)

Einerseits und andererseits schließen sich kategorisch aus. Seriöse Manager mögen vieles konservativ bewerten – aber bestimmt nicht die Risiken der Klimaveränderung. Sonst müssten sie die lautesten Warner vor der beschleunigten CO2-Verschmutzung der Atmosphäre sein. Warum tun sie das Gegenteil? Weil es ihnen um kurzfristigen Profit geht.

Nach dem Mammon der allernächsten Jahre – die Sintflut für immer und ewig: das ist ihre Devise. Mit anderen Worten: Manager sind abenteuernde Profitgeier, denen das Schicksal ihrer Kinder und Kindeskinder am Geldbeutel vorbei geht. Sollte conservare noch immer bewahren heißen – man weiß ja nie, wie Wahrheitsleugner morgen die Begriffe neu „besetzen“ werden – kann von konservativer Risikobewertung ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt II

Tagesmail - Montag, den 20. August 2018

Sofort, Hier und Jetzt II,

„Am Ende erzählt der Physiker und Klimafolgenforscher Hans Joachim Schellnhuber den bedrohlichen Witz von dem Mann, der vom Hochhaus springt und auf Höhe des zweiten Stocks feststellt, dass es bis jetzt sooo schlimm noch gar nicht sei. Pointe: "Wir sind derzeit in dieser Lage." (SPIEGEL.de)

Zum seligen Ende ein Witz – vom ökologischen Berater der Kanzlerin: Prof. H. J. Schellnhuber. Das Gelächter über den Untergang einer genialen Gattung wird im Universum nachhallen.

Was ist ein Berater? Ein Ohrenflüsterer, ein urteilsloser Experte, ein Warner, ein Kritiker?

Erst als Anne Will den Professor fragte, ob die Kanzlerin seine Warnungen ernst nähme, äußerte sich der Professor mit indirekten Worten: Vielleicht ab dieser Sendung? Mit direkten Worten: er hat keinen Einfluss, seine Stimme verhallt im Kanzleramt.

Der renommierte Wissenschaftler lässt sich als Alibi-Figur einer selbstmörderischen Ökopolitik verheizen. Wissenschaft macht sich mitschuldig, wenn sie die Regierung nicht mit schärfsten Worten anklagt und zur Klima-Umkehr auffordert.

Pardon, natürlich steht eine listige Strategie hinter der Leisetreterei des Klimaprofis. Untergangsexperten haben herausgefunden, dass lautstarke Warnungen kontraproduktiv seien. Man benötige eine paradoxe Intervention. Nur das Leise und Vorsichtige würde den großen Knall bewirken. Das lutherische Donnerwort: Hier steh ich, ich kann nicht anders, sei unangebracht bei lutherischen Pastorentöchtern.

Also konkurrieren Merkel und Schellnhuber um die unauffälligste und dezenteste Sprache. Soll doch die noch immer mächtige Frau nicht mit dem Vorwurf gekränkt ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt,

Tagesmail - Freitag, den 17. August 2018

Sofort, Hier und Jetzt,

es sind nicht nur die Deutschen.

Die Menschheit geht mit offenen Augen einer Katastrophe entgegen, die unabwendbar sein wird, wenn sie nicht sofort, hier und jetzt, mit vereinten Kräften alles verhindert, was verhindert werden kann, um den Kollaps der Gattung abzuwenden.

Der bisher gewohnte Gang der Dinge ist ein Gang ins sichere Verhängnis. Sofort, hier und jetzt muss alles gestoppt und umgewandelt werden in erdumfassende Verhältnisse, die das Fortleben der Gattung ermöglichen.

Sehen wir von Naturkatastrophen ab, die sich dem Einfluss der Menschheit entziehen, muss zwischen Natur und Mensch eine konstante symbiotische Partnerschaft geschaffen werden, die beiden Partnern ein lebenswertes, erfülltes Dasein erlaubt.

Aus Sicht des Menschen muss die Partnerschaft symbiotisch sein. Nur eine menschenfreundliche Natur kann dem Menschen die Voraussetzungen zu einem guten Leben verschaffen. Zwingt der Mensch die Natur, sich immer menschenfeindlicher zu verändern, ist es um ihn geschehen.

Natur braucht den Menschen nicht, der Mensch braucht die Natur.

Die natürlich-menschliche Symbiose muss konstant sein und darf durch keinen Veränderungswahn des Menschen gefährdet werden.

Der Mensch kann sich verändern, wie er will – mit zwei fundamentalen Ausnahmen: seine Moral der Menschenrechte und seine Partnerschaft mit der Natur müssen auf zeitlosen Konstanten beruhen.

Dies bedeutet, dass alle Vorstellungen einer permanenten Veränderung des Menschen, die keine Rücksicht auf Natur und humane Ethik nehmen, sofort, hier und jetzt getilgt werden müssen.

Zu diesen Vorstellungen gehören: ...

Weiterlesen...
 

Umwälzung C

Tagesmail - Mittwoch, den 15. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung C,

Entwarnung.

Lasst die Erde untergehen. Der Mensch wird den Kosmos in Besitz nehmen.

Entwarnung.

Lasst den Menschen untergehen. Die Maschine – um ein Millionenfaches intelligenter – wird seine Stelle einnehmen. Und unsterblich werden.

Und zum dritten Male sage ich euch: entspannt euch.

Die unsterbliche Maschine, das Geschöpf des sterblichen Menschen, wird sich vermählen mit dem unsterblichen Kosmos.

Das wird zum Omega der Geschichte werden. Ich bin Alpha und Omega, spricht Christus, der finale Herrscher über alles.

„Die Welt schaffen, vollenden und entsühnen, so lesen wir bereits bei Paulus und Johannes, ist für Gott die Einigung der Welt in einer organischen Vereinigung mit sich selbst. Auf welche Weise eint er sie? Indem er zu einem gewissen Teil in die Dinge eintaucht, indem er sich zum ‚Element‘ macht, und indem er dann, kraft des im Herzen der Materie gefundenen Stützpunktes, die Führung und den Plan dessen übernimmt, was wir heute Evolution nennen. Indem er als Mensch unter Menschen erstanden ist, hat Christus als Prinzip universeller Lebenskraft seine Stellung eingenommen, und er ist seit je dabei, den allgemeinen Aufstieg des Bewusstseins, in den er sich hineingestellt hat, unter sich zu beugen, zu reinigen, zu leiten und aufs höchste zu beseelen. Weil Christus Omega ist, ist das Universum physisch bis in sein materielles Mark durchdrungen vom Einfluss seiner übermenschlichen Natur.“ (Der französische Jesuit und Paläontologe Teilhard de Chardin)

Die Schöpfung ist nicht abgeschlossen. Geschichte ist creatio continua, die Zeit der unaufhaltsamen Vollendung des Geschaffenen, das sich am Ende mit dem ...

Weiterlesen...
 

Umwälzung IC

Tagesmail - Montag, den 13. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung IC,

zum Weltuntergang antreten in Reih und Glied: stumm und schicksalsergeben. Vor allem nicht hysterisch werden.

„Die Hoffnung, derlei Übertreibungen würden Menschen zur Unterstützung des Klimaschutzes motivieren, hat sich schon lange als Trugschluss erwiesen. Je gravierender der Klimawandel dargestellt werde, desto eher würden sich Leute von dem Thema abwenden, berichten Soziologen. Immer neue Horrorszenarien schaden demnach dem Klimaschutz. Die Debatte steckt in einem Dilemma: Nur wer sich mit Hysterie nach vorne drängelt, erntet Beachtung.“ (SPIEGEL.de)

Deutsche Helden sterben lautlos. Wer Zeter und Mordio schreit, hat keinen Stil. Wenn es ans Krepieren geht, heißt es Facon bewahren. Süß und ehrenvoll ist es, die Gattung geräuschlos verenden zu lassen. Wenn man das Ende kommen sieht, muss man Haltung annehmen. Schicksalsergebenheit ist das Signum deutscher Helden. Die bedingungslose und ergebene Liebe zum Fatum zeichnet den Übermenschen aus:

„Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein.“ „Meine Formel für die Grösse am Menschen: Das Nothwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen sondern es lieben.“ (Nietzsche)

Sieg im Untergang, Untergang im Sieg, daran erkennen wir deutsche Heroen. Optimismus ist lästerlicher Amerikanismus. Amor fati, Liebe zum Schicksal, ist ...

Weiterlesen...
 

Umwälzung XCVIII

Tagesmail - Freitag, den 10. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCVIII,

Wer weiß denn sowas? Von welchem Land ist hier die Rede?

„42 % der Erwachsenen können Japan nicht auf der Weltkarte finden. 15% konnten USA nicht lokalisieren. 10% konnten den republikanischen nicht vom demokratischen Kandidaten unterscheiden. Fast 70% glauben an Engel, 50% an UFOs. 40% wussten nicht, dass Deutschland im 2. Weltkrieg der Feind Amerikas war. 50% wussten nichts über den Kalten Krieg. 60% wussten nichts über Gewaltenteilung. 21% glaubten, die Sonne drehe sich um die Erde. 60% haben niemals ein Buch in der Hand gehabt. Nur 3% sind wirklich lesefähig. Nicht wenige glauben, dass Hitler noch immer der momentane Kanzler der Deutschen ist. Immer mehr läuft auf Wunder und Magie hinaus.“

Nein, Deutschland kann das nicht sein. Dafür sorgen endlose Quiz-Veranstaltungen in den Kanälen. Fakten, Fakten, Fakten rauschen an den Ohren des Publikums vorüber, um dahin zurückzukehren, woher sie gekommen sind: ins Nichts.

Die Horrorzahlen könnten beliebig erweitert werden. Morris Berman zieht das Fazit: „Es ist so, als hätte sich Amerika in eine gigantische Produktionsstätte von Tölpeln verwandelt. Intelligenzfeindlichkeit ist ein Teil der amerikanischen Kultur. Innerhalb von nur einer Generation verschwindet eine ganze Welt des Lernens vor unseren Augen.“

Tölpel sind nicht nur Unten angesiedelt. In höheren Kreisen tragen die Phänomene gebildete Namen: „Postmoderne und Dekonstruktion, philosophische Begriffe, die weite Teile des akademischen Lebens in Beschlag genommen haben, lehren, dass jeder Wert so gut ist wie der andere, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Wissen und Meinung: eine gute Methode, sich vor realen und ökonomischen Problemen zu drücken. Postmoderne ist eine mit dem Chic der Radikalität daherkommende Philosophie der Verzweiflung, das ideologische Gegenstück des ...

Weiterlesen...
 

Umwälzung XCVII

Tagesmail - Mittwoch, den 08. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCVII,

wäre der mächtigste Mann der Welt verrückt, wie verrückt müsste die Welt sein, die es zugelassen oder gewollt hätte, dass ein Verrückter zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen konnte?

Und wäre er verrückt, wie verrückt müssten diagnostische Experten sein, die zusehen, wie ein Verrückter die Weltherrschaft übernimmt – ohne lautstark Alarm zu schlagen vor den Gefahren, die von einem seelisch kranken Weltdespoten ausgingen?

Wovor hingegen warnen die Experten? Dass man den Kranken öffentlich als krank bezeichnen und durch Ferndiagnose die Würde des Kranken verletzen könnte.

„1973 erklärte es die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft für "unethisch für Psychiater, eine professionelle Meinung zu äußern, bevor er oder sie eine Untersuchung vorgenommen und die Erlaubnis der Betroffenen erhalten hat, sich darüber zu äußern". Die Goldwater-Regel gilt auch außerhalb der APA als wichtiger ethischer Standard in der Psychologie und Psychiatrie.“ (Sueddeutsche.de)

Die Psyche politischer Kandidaten zu analysieren, wäre nicht nur „unethisch, sondern unverantwortlich“, erklärte eine Seelenexpertin. Sondern? Kann unethisch denn auch verantwortlich sein?

Ein anderer Fachmann: „Trump könnte ein Weltklasse-Narzisst sein, aber das mache ihn noch nicht geisteskrank, denn er leide nicht darunter und sei auch nicht eingeschränkt. Erst wenn das der Fall wäre, könnte eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden.“

Woher weiß der Fachmann, dass Trump nicht leidet, da er ihn aus intimer Nähe gar nicht kennt? Woher weiß er, dass er nicht eingeschränkt ist? Das könnte ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 7 von 183