Philosophische Tagesmails

Von vorne XXIX

Tagesmail - Freitag, den 28. Juni 2019

Von vorne XXIX,

schon wieder eine Frau. Wenn in Osaka die Mächtigen der Welt zusammenstehen, sind fast keine Frauen zu sehen. Sie haben alle Hände voll zu tun, den Unrat wegräumen, den die Herren des Planeten hinter sich auftürmen. Die Hoch-Kulturen der Männer sind an ihremTiefpunkt angelangt: an der Zerstörung der bewohnbaren Erde. Auf welche Beweise wartet ihr noch, Freunde der Erde?

„Eine deutsche Kapitänin mit dem Namen Carola Rackete, 31, die früher auf Eisbrechern durch die Arktis fuhr, nimmt es vor der Insel Lampedusa in diesen Stunden mit Italiens Innenminister Matteo Salvini auf – und macht damit auf die verkorkste Migrationspolitik Europas aufmerksam. Die funktioniert nämlich so, dass man das ganze Elend unsichtbar macht und outsourct: an libysche Milizen und an den italienischen Türsteher Salvini, der Schiffe mit Migranten nicht mehr anlegen lässt. «Ich bin wütend und enttäuscht. Europa hat uns im Stich gelassen. Seit zwei Wochen sind weder die EU-Kommission noch die Nationalstaaten bereit, Verantwortung zu übernehmen. Alles muss man selbst machen.»" (SPIEGEL.de)

Dazu das Schandurteil des obersten europäischen Gerichts, das die Flüchtlinge zum würde- und hoffnungslosen Treiben auf dem Meer verurteilt. Kein Kommentar von deutschen Politikern, die unter Furcht und Zittern ihre Seligkeit und historische Bedeutung verdienen müssen.

„Allerdings ist selbst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte der Meinung, dass sie nicht in Lampedusa anlegen müssen, weil es keine unmittelbare Gefahr für die Menschen auf dem Schiff gebe.“ (SPIEGEL.de)

Die obersten Richter haben ihre Wendigkeit bewiesen und sind vor der europäischen Inhumanitätspolitik in die Knie gegangen. An allen Ecken und Enden zeigt sich, ...

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Von vorne XXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 26. Juni 2019

Von vorne XXVIII,

noch besser wären Klaus Töpfer als Bundespräsident, Luisa Neubauer als Kanzlerin – und Greta Thunberg als Junckers Nachfolgerin.

Doch erst die Sommerfeste der Politiker & Medien. Dann ab in die herrlichsten Urlaubsgebiete des Planeten – bevor diese plastikbeladen im Meer versinken. Zum Schluss die finalen Bestseller:

„Die Schönheit der Welt aus der Sicht des letzten Bewunderers. Es war unbeschreiblich. Willkommen, Aliens, meine neuen Leser. Tragt die Botschaft in die Tiefen des Weltraums. Saget, ihr habt die Erde in ihrem Blute liegen sehen – wie die Botschaft aus dem Jenseits es befahl.“

TV-Kanäle schalten endgültig um auf hitzegesteuertes Demenz-Niveau, Talkshows verschwinden im Sommerloch: Polit-Tatsachen, die debattiert werden müssten, gibt es nicht – und wenn doch, umso schlimmer für die Tatsachen: warum auch hält sich Politik nicht an die Urlaubsregeln der Medien?

Es gibt keinen Klimawandel, längst gibt es einen Klimanotstand. Nicht übertreiben, sagt Berlin. Die Bewahrung der Schöpfung ist der Regierung sehr sehr ernst, predigt die Trösterin ihres Volkes:

"Vor allem in Großbritannien, Australien und Kanada treiben die Menschen so ihre Regierungen vor sich her: Inzwischen haben auch die Parlamente und Regierungen in Irland, Großbritannien und Kanada dieses Alarmsignal gesendet.  Aber der ...

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Von vorne XXVII

Tagesmail - Montag, den 24. Juni 2019

Von vorne XXVII,

es ist nicht der erste Mensch in der BRD, der von Rechten getötet wurde. Es ist der erste prominente Politiker, bei dem die Republik aufschreit. In Mölln gab es nicht einmal „Beileidstourismus“.

Nun werden die Politiker energisch, drohen den Verdächtigen mit Entzug der Grundrechte – gemäß dem Gesetz oder außerhalb des Gesetzes? Scheint keine Rolle zu spielen. Wir nähern uns dem gefühlten Notstand, der alle Mittel erlaubt. In der Handhabung des Gesetzes sind die Deutschen a) lässig bis zur Ignorierung der Exekutive: haben wir es immer noch nötig, law und order zu befolgen? b) Wenn aber das Schiff leckt, schlagen sie zu, dass es rauscht im Blätterwald.

Erinnerungen an Weimar? Kann nicht sein, darf nicht sein. Geschichte wiederholt sich doch nicht, sie darf sich nicht wiederholen. Man müsste ja zurückschauen, anstatt den Blick starr in die Ferne zu richten.

Nun warnen sie wieder – mit aller Entschiedenheit. Doch niemand weiß, wie er die Warnung befolgen soll. Krankheiten kann man vermeiden, indem man gesund lebt. Wie kann man Mord und Totschlag vermeiden, wenn man die Ursachen nicht kennt? Wie kann man Ursachen bekämpfen, wenn sie per Ukas der Fortschrittler abgeschafft wurden?

Was bleibt, wenn es keine Ursachen mehr gibt? Dann gibt es das Böse. Das Böse tritt auf, wenn Ursachen abgeschafft wurden. Es ist das stellvertretende Prinzip, das alle Fragen durch Reduktion kognitiver Dissonanz schnell, allwissend und radikal mit einer Antwort zum Schweigen bringt.

Ursachenforschung ist langsam, tastend und hypothetisch, Bekämpfung des Bösen hingegen ist für Dumme und Unterkomplexe. Sie beten am liebsten ...

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Von vorne XXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 19. Juni 2019

Von vorne XXVI,

Deutschland ist zurück auf dem Weltgipfel. Das Land der Täter kann sich wieder blicken lassen: es hat die mächtigste Frau und den bekanntesten Philosophen der Welt. Macht und Denken haben sich wieder gefunden.

Obgleich die Deutschen vom Dichten und Denken nichts mehr halten, sind sie stolz auf einen Denker, der sich in allen Ländern der Erde einen Namen gemacht hat. Obgleich sie Moral und „tiefgründelnde Gespräche“ verachten, sind sie stolz auf einen schwer verständlichen Moralisten, der den demokratischen Prozess als gleichberechtigtes Gespräch bezeichnet.

Modern, wie der Philosoph sein will, spricht er nicht von Gespräch oder Dialog, sondern von Diskursethik oder Kommunikation unter idealen Bedingungen. Gibt es ideale Inseln der Verständigung mitten in nichtidealen, wirtschafts-dominierten Gesellschaften?

Die Medien überbieten sich in Lobreden. Können sie sich doch zwei Tage lang von einem amerikanischen Präsidenten ablenken lassen, der den Namen des Jubilars nie gehört hat, unter Kommunikation vor allem Propaganda und Hetzreden versteht und dennoch die besten Chancen hat, zum konkurrenzlosen Kandidaten seiner Partei gekürt zu werden.

Macht und Denken bildeten in Deutschland seit Ende der Aufklärung eine Symbiose. Denken als Macht der Argumente galt nichts mehr. Also musste der Gedanke von der Gewalt unterstützt werden – um das machtlüsterne Denken ans Ziel zu bringen.

Nachdem die Epoche der Aufklärung nichts als Niederlagen gebracht, die damals aufgeklärteste Nation Deutschland überfallen und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt hatte, musste das Denken sich mit staatlicher Macht verbinden, um die ...

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Von vorne XXV

Tagesmail - Freitag, den 14. Juni 2019

Von vorne XXV,

Symbiosen können trügen. Doch! Es gab eine deutsch-jüdische Symbiose – auf trügerischem Boden. Als der Boden einbrach, enthüllten sich Abgründe von Grauen.

Die deutsch-jüdische Symbiose war keine verständnis-durchflutete Einheit. Sie war eine uralte, multiple Überidentität, die die Ursachen der gegenseitigen Anziehungskraft und Feindschaft verleugnete. Den – in Bewunderung und Hass verbundenen – Anderen kann man nur verstehen, wenn man sich selbst verstehen will. Wollen die Deutschen sich verstehen, wollen die Juden sich verstehen?

Nach der Urkatastrophe im Dritten Reich gab es staatlich verordnete Reue und guten Willen auf Seiten der Täter – auf Seiten der Opfer die Bereitschaft, den Tätern zwar nicht zu vergeben, aber eine zweite Chance einzuräumen. Eine Katharsis ist nicht in Sicht.

Unter friedlichen Vorzeichen herrschen heute Misstrauen, permanente Spannungen und untergründige Gereiztheiten. Das Verhältnis gleicht einer gegenseitigen Belagerung mit feierlichen Beschwörungen und abrupten Vorwürfen. Man geht auf Eis, das jederzeit einbrechen kann – oder auf glühenden Kohlen, deren Verletzungsgefahren man als unvermeidliche hingenommen hat. So schleppt man sich von Krisen zu Treueschwüren, von Aggressionen zu Loyalitätsbekundungen.

Israel kritisierte den deutschen Außenminister, weil er Anne Frank mit den Worten gewürdigt hatte:

„Ihr Tagebuch ist aktueller denn je – als Mahnmal gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung und als Zeichen der Menschlichkeit. Von ihr können wir lernen.“  

Darauf erwiderte der Sprecher des israelischen Außenministeriums:

„Anne Franks Tagebuch ist keine Warnung über beliebige pseudo-universelle Werte! Anne Franks Erbe ist eine Warnung vor dem Hass und der Verfolgung von Juden. Der Versuch, die ‘Lehren der Shoah zu universalisieren‘ ist nichts weiter als eine ...

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Von vorne XXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 12. Juni 2019

Von vorne XXIV,

„Eine lang anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius ist in Nord- und Zentralindien inzwischen zu einer erheblichen Gefahr für Menschen und Infrastruktur geworden. Die extremen Temperaturen lassen den Asphalt auf den Straßen schmelzen. Doch überraschend kommt die Hitze nicht. Seit Jahren sagen Klimamodelle voraus, dass die extremsten Hitzesommer häufiger werden.“ (Spektrum.de)

Ein deutscher Edelschreiber der Spitzenklasse hat das Klimaproblem gelöst und den Indern die tröstliche Botschaft zukommen lassen:

„Warten wir doch ab, bis der Hype abgeklungen ist.“ (WELT.de)

In einem Anhang erläuterte der Trostspender die Gründe seiner Frohen Botschaft:

„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Wir warten der Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Wir warten auf die Erlösung unseres Leibes. Und wartet, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gemacht werden.“

Wer warten kann, darf seine Feinde mit Füßen treten, wer diabolischen Aktivismus vermeidet, wird Wunder erleben. Es gibt kein Harren ohne erhofften Lohn. Ein Experte des Abwartens, rein zufällig ein Gottesgelehrter, weiß, warum Nichtstun sich lohnt: brauchst du Gott? Schon ist er da!

„Die Menschen praktisch aller Kulturen seit Urzeiten waren religiös. Es gehört zum Menschsein. Der Mensch hätte keine Augen, wenn es kein Licht gäbe. Und er ...

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Von vorne XXIII

Tagesmail - Montag, den 10. Juni 2019

Von vorne XXIII,

einen planetarischen Bürgerkrieg gibt es noch nicht – eine planetarische Völkerbewegung aber wogt rund um die Erde. Die Völker spüren es, können es immer genauer in Worte fassen, immer lautstarker hinausschreien: wir müssen von vorne beginnen.

In welchem Land gibt es noch keine Demonstration der Massen? Gäbe es keine Bajonetten- und Überwachungsregimes, die das Selbstbestimmungsrecht ihrer Nationen mit Kanonen und Algorithmen am Boden zerstören würden, wäre die globale Menschheit schon längst der einhelligen Meinung:

Wir müssen Natur retten, um uns zu retten,
wir müssen Freiheit und Gleichheit retten, damit wir ein erfülltes Leben führen können.

Ist der Mensch wirklich so verkommen, so unfähig, seine Geschicke selbst zu gestalten, wie überhebliche Männerklassen seit 1000en von Jahren mit immer neuen Religionen und Ideologien die Welt verpesten, um sich die Berechtigung zu erschleichen, die Menschheit an Ketten zu legen – weil sie unfähig sei, sich selbst zu regieren?

Vergesst den sündigen, blindwütigen, vernunfthassenden Brudermörder und Schwesternschänder. Die Völker haben bewiesen, dass sie sich aus ihren Schrecken und Verirrungen befreien und zu Kämpfern der Menschlichkeit entwickeln konnten. Noch vieles ist zu tun. Wir stehen auf der Schwelle, wo Blindheit sich in Wahrnehmung, Taubheit in Wachsamkeit und Stumpfheit in Sensibilität verwandeln.

Synchrone Verbundenheit der Gattung ist keine emotionale Selbstüberdehnung der Menschheit, die sie überfordern würde – wie deutsche Barriere-Seelen behaupten. Die Weltgemeinschaft, die sich zu einer einheitlichen Zivilisation zusammenschloss, hat, trotz allen Haders und Streits, ihr gemeinsames Schicksal entdeckt. Es dämmert den Misstrauischsten und Argwöhnischsten, dass wir nur zusammen ...

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Von vorne XXII

Tagesmail - Freitag, den 07. Juni 2019

Von vorne XXII, 

„Mein Professor hat mir neulich gesagt, dass es den Klimawandel nicht gibt. Als ich ihm aufgezählt habe, welche Auswirkungen extreme Temperaturunterschiede schon jetzt auf Uganda haben, meinte er, dass sich das Klima ändert, weil es Gottes Entscheidung ist. Er hat mir gesagt, dass er älter wäre und mehr als ich weiß. Wenn ich jetzt noch einmal seine Vorlesungen am Freitag verpasse, lässt er mich durchfallen.“ (Nakabuye Hilda Flavia, 22, Studentin aus Uganda) (SPIEGEL.de)

Wer die Welt rettet, ist gottlos. Wer die gottlose Welt rettet, ignoriert die Wahrheit der Alten – und fällt durch. Wer die Welt der Alten und ihrer unfehlbaren Götter rettet, um den Jungen eine Chance zu bieten, verletzt das Heilige. Wer das Heilige verletzt, muss geächtet werden:

„Das Grundgesetz ist in einer radikal säkularen Welt unsere heilige Schrift, der Bundestag eine Art heiliger Ort unserer Demokratie. Wir Demokraten sollten ihn als solchen würdigen und nicht für jeden noch so zähen Gag missbrauchen.“ (WELT.de)

Sollte säkular weltlich-heidnisch bedeuten, wäre Demokratie das Zentrum heidnischer Vernunft – inmitten einer heilsgeschichtlichen Moderne. Was die Jungen taten, indem sie für ein humanes Klima mit szenischer Darbietung eintraten, war das Demokratischste, was der Bundestag seit langem erlebte. Seit den Grundsatzdebatten kurz nach dem Krieg hat es Eindrucksvolleres dort nicht mehr gegeben. Der Einzug des Neoliberalismus, der Sieg der Grokos und der geisttötenden Kompromisse hat die agonale Wahrheitssuche im Parlament erstickt.

Hätten die Jungen ihre Aktion als künstlerisches Happening angekündigt, wäre es ästhetisch preisgekrönt worden. Inzwischen erleben wir die komplette ...

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