Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XXXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 07. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVI, 

es waren Frauen, die die Wahlen gewannen. Mister Trump und seine Erektionskumpane werden sich noch wundern, wenn kesse Rivalinnen bei der nächsten Begegnung ganz beiläufig in den präsidentiellen Schritt fassen – um sich mit spöttischem Lächeln abzuwenden.

Erhält die Welt eine Chance, friedlich zusammenzuwachsen und die geschundene Natur zu retten? Ohne universalistische Frauen wird das nicht mehr gehen. Wer für Leben zuständig ist, weiß, dass alles Leben geschützt werden muss, um das eigene zu retten.

Partikularismus – oder technischer, nationaler und religiöser Überlegenheitswahn – ist nicht nur von allen Geistern verlassen, sondern selbstmordgefährdet. Nicht mehr lange und die Amerikaner werden ihren Urkonflikt auskämpfen: Ist Universalismus eine religiöse Angelegenheit oder muss das Heilige dorthin verbannt werden, wo es kein Unheil mehr anrichtet: ins Kämmerchen?

Wer sich und seine kostbare Seele retten will, soll das mit seinem Gott ausmachen.

Wer sich und die Welt retten will, muss das mit der Menschheit ausmachen.

Was hingegen geschieht in Europa, bis vor kurzem das bewunderte Labor der Völkerverständigung in aller Welt?

„Emmanuel Macron fordert die Bildung einer gemeinsamen europäischen Armee. ohne eine "wahre europäische Armee" könnten die Europäer nicht verteidigt werden. Mit Blick auf "Russland, das an unseren Grenzen steht und das zur Bedrohung werden könnte", dürften sich die Europäer "nicht allein auf die USA verlassen". Macron begründete seine Forderung mit der Warnung vor "autoritären Mächten, die an den Grenzen Europas aufsteigen und die sich wieder bewaffnen". Europa müsse sich verteidigen "mit Blick auf China, auf Russland und sogar auf die USA". Der von ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXV

Tagesmail - Montag, den 05. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXV,

kein einziges gemeinsames politisches Fest für ganz Europa, auf dem 28 Nationen den Triumph der Freiheit und die Überwindung uralter Feindschaften zusammen feiern könnten.

In Deutschland noch verheerender. Am obersten Fest nationaler Herzen wird ein Reformator gefeiert, dessen Freiheit eines Christenmenschen in der Selbsterniedrigung unter einen rachsüchtigen Gott und dessen Obrigkeiten – und in der Zertrümmerung jeder menschenwürdigen Moral besteht. Dass Moral in Deutschland einen schlechten Klang hat, ist das Werk eines Mönchs, dessen Hass auf die selbstbestimmte Welt keine Grenzen kannte.

„Dass er uns errette von dieser Welt“: das war der einzige Lebenszweck eines Menschen, der die ganze Welt vernichten wollte, um den Menschen von dieser Pestbeule zu erlösen. Es ist die schlimmste Krankheit, die Menschen befallen kann: wenn sie aus Unfähigkeit, auf Erden ein erfülltes Leben zu führen, eine gespenstische Gegenwelt erfinden, die die wohlvertraute, mütterliche Welt in Trümmer legen muss. Da es weder Gott noch Überwelt gibt, müssen sie, was sie glauben, selber herstellen. Den Prozess allmählicher Selbstvernichtung durch grenzenlose Machtanhäufung nennen sie Fortschritt.

Deutschlands Feste sind religiöse Weltzertrümmerungsfeste.

„O Welt, ich muss dich lassen,
ich fahr dahin mein Straßen
ins ewig Vaterland.
Mein Geist will ich aufgeben,
dazu mein Leib und Leben
legen in Gottes gnädig Hand.“

Die Religion des Westens ist Kosmos-Verachtung. Mit dieser hasserfüllten Religion ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXIV

Tagesmail - Freitag, den 02. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIV,

„Besser ist es, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen." (Milton)

Spätestens am Dienstag werden wir keine Illusionen mehr haben, ob Trump nur ein kleiner Unfall Amerikas war. Oder ob der westliche Zug sich allmählich aller humanen Ziele entschlagen und in Richtung Hölle fahren wird. Dann hätte er lange genug dem „Himmel“ in Knechtschaft gedient und wäre fortan bestrebt, lieber in höllischer Freiheit das Unmenschliche zu tun, als sich dem Guten charakterlos zu unterwerfen.

John Miltons Satz ist das Motto Steve Bannons, der die westliche Rechte einigen und für den Endkampf mit China und Russland rüsten will. Mehr als ein halbes Jahrhundert himmlische Nachkriegs-Verhältnisse, die nichts anderes waren als zunehmend gottfern-humane: das reichte den amerikanischen Frommen endgültig. Solange sie auf der siegreichen Seite waren, haben sie ihr Misstrauen gegen die aufkommende Vernunft unterdrückt. Seitdem es abwärts geht mit der american glory, werden der sündigen, undankbaren Welt uralte unabgegoltene Rechnungen präsentiert.

Deutschland, in der Wüste des Wohlstands orientierungslos umherirrend, wird dem überseeischen Mose die Gefolgschaft nicht verweigern – obgleich es sich dem amerikanischen Biblizismus überlegen fühlt. Wie könnte das Land uralten Mythen folgen, wenn es dieselben längst überwunden hat?

Das ist der Fluch der Verschmelzung zweier unverträglicher Kulturen oder: der erzwungenen Synthese aus Heiligem und Rationalem. Wenn Himmel zum autonomen Guten wird, kann der Protest gegen himmlische Despotie sich als Empörung gegen die irdische Vernunft darstellen – und damit missverstehen.

In theologischen Metaphern: Wohin steuert die christliche Weltpolitik? Folgt sie den Fußstapfen des Herrn – oder denen des Teufels? Des Herrn, den sie mit dem ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXIII

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIII,

„Abschied in Würde“ hieß einst: Im Felde unbesiegt. Eine deutsche Heldin lässt sich von schnöden Wahlen nicht davonjagen. Sie geht von selbst, indem sie ihren Kursverfall in den Triumph einer einsamen Siegerin verwandelt: ihr jagt mich nicht davon. Selbstbestimmung gibt es im kapitalistischen Leben nicht, der Abgang aber muss autonom sein. Früher hieß dies: mit entblößtem Haupt vor Gott.

Schon jetzt beginnt sich die postmortale Stimmung eines Muttermords auszubreiten, nur dürftig überdeckt durch die Hektik prophetischer Zukunftsspiele.

„So viele Nachfolge-Kandidaten in der CDU, das hat es noch nie gegeben. Ja, das nennt man Demokratie.“ Tatsächlich, für den Hauch eines Augenblicks wurde sie gesichtet: die seltsame Demokratie. Was reichen muss für die nächsten Jahre. Mit Demokratie sollte man nicht übertreiben. In die raunenden Schwatzrunden werden bewährte alte Granden eingeladen, um den seltenen Schicksalsmoment auszuzeichnen. In der Phönix-Runde saßen Michael Stürmer und Ullrich Deppendorf.

Zum heroischen Abgang die heroischen Worte:

„Das Bild, das die Regierung abgibt, ist inakzeptabel. Die Sacharbeit hatte keine Chance, wahrgenommen zu werden. Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren – und das habe ich nie vergessen.“

Das wäre ja elitärster Rassismus: als Kanzlerin geboren werden. Was dementiert sie da, was niemand behauptet hat? Der amerikanische Traum wurde Realität im vereinigten Deutschland: selbst fromme Ossi-Mädchen können, mit Gottes Hilfe, im Wessi-Kapitalismus etwas werden.

Doch an ihrer einmaligen Erfolgspolitik lässt sie keinen Zweifel: das Bild der Regierung ist inakzeptabel, nicht die Wirklichkeit derselben. Die Sacharbeit hatte ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXII

Tagesmail - Montag, den 29. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXII,

als Denis Yücel in der Türkei gefangen genommen wurde, war der Protest der deutschen Medien einhellig. Jetzt soll der türkische Regierungskritiker und Journalist Adil Yigit, der seit 36 Jahren in Deutschland lebt, ausgewiesen werden: kein nennenswerter Protest bei den Gazetten.

Merkel braucht das Wohlwollen Erdogans, um den Deutschen Millionen von Flüchtlingen vom Leibe zu halten. In ihrer politischen Verfallszeit schreckt sie nicht mehr vor Säuberungsmaßnahmen autokratischer Regimes zurück. Wenn Macht schwindet, wird sie erst recht gefährlich.

„Der Journalist führt die Entscheidung auf seine prominente Protestaktion während einer Pressekonferenz des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt Ende September zurück. Damals trug der in Hamburg lebende Yigit ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei". Als es zu Unruhe kam, griffen deutsche Sicherheitskräfte ein und brachten Yigit aus dem Saal. Erdogan lächelte. „Das hängt zusammen, anders kann es garnicht sein", sagte Yigit, der eigenen Angaben zufolge seit 36 Jahren in Deutschland lebt. Schon im vergangenen Jahr lag bereits einmal ein entsprechender Bescheid vor. Aber der Chef der Hamburger Ausländerbehörde habe ihm versprochen, man werde schon eine Lösung finden. Als Gründe für die Ausweisung gebe die Behörde an, dass er nicht erwerbstätig sei und nicht bei seinen Kindern lebe.“ (SPIEGEL.de)

Ist es ein Verbrechen gegen den Kapitalismus, nicht erwerbstätig zu sein und sich nur aus lohnunabhängigen Motiven für Demokratie einzusetzen? Alle Väter seien gewarnt, die nicht bei ihren Kindern leben. Das ist Merkels neue Nächstenliebe: einmal eine gute Tat, danach 99 schlechte.

Je mehr die Trumps und Bolsonaros sich durchsetzen und der Westen sich zu einem theokratischen Block zurückbildet, je mehr werden urdemokratische Freiheitsrechte geschleift. Je mehr starke Männer das Kommando in der Welt übernehmen, umso ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXI

Tagesmail - Freitag, den 26. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXI,

bei Maischberger saß ein 17-jähriger Jugendlicher, der die ungewöhnliche Leistung vollbracht hatte, als 11-Jähriger seiner chronisch-armen Hartz4-Familie zu entrinnen und seine Vergangenheit so zu bewältigen, dass er demnächst das Abitur machen wird – um in Harvard zu studieren. Seinen Werdegang konnte er so plastisch schildern, dass die Runde ihm gebannt zuhörte.

Doch niemand der anwesenden Experten fühlte sich angeregt, auf seine Lernerfahrungen einzugehen, um die Frage nach der Armut nicht nur aus Perspektive der Zahlen zu beleuchten. Wie fühlt sich ein Kind, das in einer armen Familie aufwachsen muss? Welche Blockaden muss es überwinden, um seinen angeborenen Genen, seiner von Natur-aus-vererbten Faulheit und Renitenz gegen die Gesellschaft zu entrinnen? Bestätigte die Leistung des Jeremias Thiel nicht die Meinung der Förderer und Forderer: jeder hat die Chance, seinem Elend zu entkommen und aufzusteigen, wenn er nur will?

„Mir bricht das Herz, wenn ich an meinen Zwillingsbruder denke, der die Flucht nicht geschafft hat und noch heute die Eltern nicht verlassen darf“, sagte Jeremias. Niemand fragte ihn: warum hast du es geschafft, warum nicht dein Zwillingsbruder?

Für Sahra Wagenknecht, bekehrte Marxistin, ist die introspektive Sicht auf das Leben ein Fast-Nichts oder eine Black Box des Bewusstseins, das mit dem Sein nichts zu tun hat.

Für Rainer Hank, gelerntem Theologen und gottesfürchtigem Neoliberalen, ist Armut – getreu dem Gnadendenken seines Lehrers Hayek – jener selbstverschuldete Zustand, der zu Recht mit Ausschluss aus der ehrenwerten Gesellschaft bestraft wird. Der Staat hat keinerlei Verpflichtungen gegen solche Parasiten – außer, sie vor dem ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXX

Tagesmail - Mittwoch, den 24. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXX,

„«Wir sind nun einmal Tiere, in der Evolution entstanden durch die brachialen Kräfte der Selektion», so beschreibt es Gijsbert Stoet, Psychologieprofessor an der britischen Leeds-Beckett-Universität. In der Steinzeit habe es sich «für Männer ausgezahlt, Jäger zu sein, und für Frauen, sich um die Babys zu kümmern». Die Natur habe einige der dafür benötigten Fertigkeiten in die Hardware unseres Gehirns geschrieben; das könne man «nicht so leicht ändern»." (SPIEGEL.de)

Es gibt Wissenschaften, die man längst als Parasitenwissenschaften bezeichnen müsste. Sie klammern sich an ihre akademischen Pfründe, indem sie nichts anderes tun, als sich für überflüssig zu erklären. Zu ihnen zählen die meisten “Geistes“-Wissenschaften, die sich als verkappte Naturwissenschaften betätigen. Ein Psychologieprofessor verneint die Mühe, die menschliche Psyche formen oder erziehen zu können und propagiert die Unveränderlichkeit einer evolutionären Selektionsbiologie.

Marx, im politischen Leben gescheitert, triumphiert im Tempel der Wissenschaften. Das Sein, die Evolution, die Gene, die biologische Ausstattung bestimmen das Bewusstsein, die Psyche, den Geist des Menschen, mit dem er sich, nein, nicht über die Natur erheben, sondern im Rahmen der Natur seine Lebensvorstellungen realisieren kann.

Wenn Geisteswissenschaftler Harakiri begehen, haben auch Naturwissenschaftler keine Hemmungen, ihnen mitleidig zu assistieren. Sie erweitern ihren Herrschaftsbereich über die Schwätzerwissenschaften (talking sciences) und geben ihnen den Gnadenstoß:

„Was unser Gehirn tut und unterlässt, wann es in Aktion tritt oder reagiert und auf welche Weise, wie es eine Situation, eine Entwicklung, einen Zustand bewertet – all das macht die Persönlichkeit aus. Menschen sind in dieser Hinsicht überaus ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXIX

Tagesmail - Montag, den 22. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXIX,

im Finale des Geschlechterkampfes um die Weltherrschaft stehen Milliarden Vulven bereit, um Milliarden Schlappschwänze in die Flucht zu schlagen. Eine Vulva hat Lippen, Schamlippen, hinter denen die Männer grausame Zähne vermuten, die sie zermalmen und – wegen Ungenießbarkeit – ausspucken werden.

Der einen Utopie ist der anderen Dystopie, um die Begriffe Himmel und Hölle dezent zu vermeiden. Das wird nichts mehr mit einem geschlechterübergreifenden Snoezelen am Ende der Geschichte – das ohnehin abgesagt wurde.

Snoezelen? „Das Wort kommt aus den Niederlanden, eine Mischung aus dösen und kuscheln. Ein weißer Raum mit sanft wechselndem Licht. Entspannte Musik und Kuschelkissen.“

Mittelalterliche Kleriker, hervorragende Experten der Vulva, verglichen die weibliche Lustpforte mit dem “gähnenden Schlund der Hölle“, weshalb sie den technischen Fortschritt erfanden, der das Weibliche aus der Evolution verbannen wird. Dabei kannten sie die Vulva noch gar nicht. Evolutionsforscher fanden sie erst vor kurzem auf wagemutigen Expeditionen: geschickt versteckt hinter schambehaarten Scheiden-Eingängen. In Simone de Beauvoirs Feministenkatechismus „Das andere Geschlecht“ suchst Du das Wort vergeblich.

Scheide? „Schmale, längliche, der Form der jeweiligen Klinge angepasste Hülse aus festem Material, in die eine Hieb- oder Stichwaffe bis zum Knauf hineingesteckt wird.“

„Drei Dinge sind unersättlich: die Wüste, das Grab und die Scheide der Frau“, predigen heilige Männer. Mund und Vulva werden von Männern gleichgestellt, weshalb die verführerischen Lippen der Frau bedeckt werden müssen.

Solche Bedeckungen sind natürlich rückständig. Moderne Frauen brauchen keine Burkas, um ihren unwiderstehlichen Liebreiz gierigen Männerblicken zu ...

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