Philosophische Tagesmails

Von vorne XXXVII

Tagesmail - Mittwoch, den 17. Juli 2019

 Von vorne XXXVII,

s’ist ein Mädchen. Ein deutsches aus lächelndem Stahl. Jetzt wird sich alles ändern.

Gesamtsiegerin wie immer ist die mit allen Wassern gewaschene Kanzlerin:

„Bundeskanzlerin Merkel hat sich mit der überraschenden Entscheidung für Annegret Kramp-Karrenbauer einmal mehr durchgesetzt. Die SPD ist düpiert und kann nur weiter verlieren. Die Bundeskanzlerin hat am Ende wieder einmal die Fäden in der Hand gehabt. Man weiß nur nicht recht, wie das gekommen ist, es ging alles einfach zu schnell. In der Politik, wenn es darauf ankommt, ist Merkel die Großmeisterin der Improvisation.“ (WELT.de)

Mit Niederlagen rechnen und, wenn alle Welt glaubt, sie läge danieder, unvermutet aufstehen und zum entscheidenden Schlag ausholen: das kann nur sie, die Nimmermüde und Unbesiegbare. Plötzlich ist die Siegerin in Straßburg ihre Geheimkandidatin gewesen. Dass zwei Männer aus Frankreich und Ungarn jene „geborene Europäerin“ erwählen werden, ahnte sie voraus und kalkulierte es in ihren Plänen ein. Kennt sie doch die Männer, diese leicht durchschaubaren Phallokraten.

Die Medien, wie immer unerschütterlich treu an Mutterns Seite – die als Wagner-Fan beim jährlichen Besuch in Bayreuth studieren konnte, wie auftrumpfende Männlein wirklich ticken. Wie etwa der Meister des Hügels, der „lebenslang gegen alles Männliche entwertend und vernichtend zu Felde zog. Daheim aber schmiegte sich der Geniale schutzsuchend in den Schoß von Ehefrau Cosima.“ (SPIEGEL.de)

Was ist der Unterschied zwischen Blitz-entscheidungen und Blitz-kriegen? Manchmal dehnt sich alles unerträglich, manchmal geht es rasend schnell. Kammerdiener des ...

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Von vorne XXXVI

Tagesmail - Montag, den 15. Juli 2019

Von vorne XXXVI,

„Europa muss handlungsfähig sein in der bedrohlichen Weltlage.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Ist Handlungsfähigkeit wichtiger als Einhaltung demokratischer Werte?

«Pfui-bäh» ruft die SPD für den Fall, dass von der Leyen auch mit linken und rechten Stimmen gewählt wird. Das ist der falsche Reflex. Wahrscheinlicher ist, dass von der Leyen von einer Koalition gewählt wird, über die Europas Moralhüter die Nase rümpfen: mithilfe von Rechts- und Linkspopulisten aus Ostmitteleuropa und Italien. Wenn es so kommt, müssen die Mäkler die Verantwortung auch bei sich selbst suchen.“

Wenn Handlungsfähigkeit konkurrenzfähige Macht bedeutet, sollte, nach Meinung von Christoph Freiherr Marschall von Bieberstein, die Stärkung der EU-Macht wichtiger sein als – als was? Als das „reflexartige naserümpfende Moralhüten der Mäkler“, die offenbar verantwortungslose Gesinnungsethiker sein müssen, denen „das Parteiinteresse näher war als die europäischen Werte.“

Moral ist nicht das Produkt autonomer Vernunft, sondern – bloßer Reflexe. Reflexe reagieren automatisch auf bewusstseinsloser Instinktbasis. In wenigen Sätzen offenbart sich das ganze Elend deutscher Medien, die alle Begriffe nach dem Zufallsprinzip zusammenpferchen. Medien wollen sich mit nichts gemein machen, sind aber im Zweifel immer an der Seite der Obrigkeit zu finden. Doch wehe jenen, die ihnen vorwerfen, sie stünden stets an der Seite der Macht.

Was sind europäische Werte?

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich ...

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Von vorne XXXV

Tagesmail - Freitag, den 12. Juli 2019

Von vorne XXXV,

der Kanzlerin – die ihre nächste Stufe der Heiligsprechung bestanden hat – wird von ihrem Volk, das treu an ihrer Seite steht (besonders in Tagen der Trübsal), keine Psyche zugetraut.

Sie besteht aus einem stählernen Leib, der geringfügige, nicht weiter ernst zu nehmende, eigentlich zu vernachlässigende, neurowissenschaftlich unerklärliche, bei jedem Menschen vorkommende, bei Hymnen überzufällig auftretende, mit ihnen aber auf keinen Fall kausal zusammenhängende, Belastungssymptome aussenden kann.

HeldInnen müssen nicht ans Kreuz genagelt werden, um, nach bestandenem Leiden, glanzvoll ihrer Auferstehung zu harren. Gleichwohl wäre es angebracht, ihren Untertanen gelegentlich Assoziationen gottverfügten Leidens hinabzusenden, die bei ihnen das Gefühl des Erwähltseins der Kanzlerin zur Gewissheit werden ließen.

Ist die Heldin stark, ist sie herzerfrischend stark, geht festen Schritts und Tritts den Männern voran, tut unverdrossen ihre Pflicht, zeigt aller Welt, wozu eine deutsche Frau fähig ist.

Ist sie schwach, kann sie nur scheinbar schwach sein oder aber ihre Stärke erst in Zittern und Zagen voll zur Geltung bringen.

Was klügeln sie, die Weisen der Erde, die Toren vor Gott? Euch Zweiflern und Glaubenslosen, die ihr mit eitlem Verstand alles begreifen wollt – selbst das Unbegreifliche und Unfassbare, das nur reinen Herzen zugänglich ist – sei frohgemut verkündet:

„Maria, sei gegrüßt, du Gefäß der Weisheit Gottes,
Sei gegrüßt, Philosophen hast du an die Grenzen geführt;
Sei gegrüßt, Wissensforschern hast du das Unerforschliche gezeigt.
Sei gegrüßt, spitzfindige Denkgeflechte hast du zerrissen;
Sei gegrüßt, aus unbekanntem Abgrund hast du uns herausgeführt;
Sei gegrüßt, bereichert hast du viele an Erkenntnis.“ (Altkirchliches Marienlob)

Die größte unter den einfühlsamen Gazetten der BRD hat schon reagiert, wie ...

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Von vorne XXXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 10. Juli 2019

Von vorne XXXIV,

wer den galoppierenden Klimawandel beenden will, muss den Lebensstil der westlichen Moderne verändern, der der Menschheit in den letzten hundert Jahren aufgezwungen wurde. Er muss Vernunft walten lassen und ein vernunftgeleitetes Gesamtziel der Menschheit entwerfen. Klimawandel ist keine isolierte Wucherung am Leib der Menschheit, die man unabhängig vom Gesamtorganismus herausschneiden könnte.

Vernunft ist Einsicht in den Zusammenhang aller Dinge oder in ihre allseitige Abhängigkeit voneinander. Um ein gefährliches Wort zu benutzen: wir brauchen eine Utopie als totalen Neuentwurf aller Dinge. Bislang wurde der Begriff total mit totalitärer Despotie in Verbindung gebracht.

Die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts aber waren alles andere als total neu. Im Gegenteil: in fanatischem Gehorsam übernahmen sie die Hauptelemente der abendländischen Ideologie, überließen sie nicht länger einem passiven Glauben und verwandelten sie mit rücksichtsloser Gewalt in selbsterfüllende Prophezeiungen. Alle Prinzipien ihrer Tyrannei entnahmen sie dem Inventar der heiligen Tradition des Abendlandes.

Sie waren dem messianischen Endzeitdenken der christlichen Heilsgeschichte verpflichtet, versuchten den versprochenen Jenseitshimmel bereits auf Erden zu verwirklichen. Ihr Ziel war eine Theokratie, ihr Gott die Überwältigung der Natur, die Alleinherrschaft einer Rasse oder Klasse, einer technischen und wirtschaftlichen Weltelite, einer winzigen Minderheit auserwählter Erfolgsgiganten.

Totalitäre Regimes bedienen sich rücksichtsloser Gewalt, um ihre Endreiche aus dem Boden zu stampfen und ihre Bevölkerung zur rechtlosen Masse zu erniedrigen.

Der theokratische Sinn des Satzes bleibt richtig: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle.“

Eine rationale Utopie hingegen ist das Gegenteil menschenfeindlicher Beglückungszwänge. Sie will die Realisierung der Menschenrechte in vitalen Demokratien für alle  ...

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Von vorne XXXIII

Tagesmail - Montag, den 08. Juli 2019

Von vorne XXXIII,

Mutter, ach Mutter! es hungert mich
Gieb mir Brod, sonst sterb ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir säen geschwind.

Und als das Korn gesäet war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter es hungert mich
Gieb mir Brod, sonst sterb ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir ärndten geschwind.

Und als das Korn geärntet war
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir dreschen geschwind.

Und als das Korn gedroschen war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir mahlen geschwind.

Und als das Korn gemahlen war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir backen geschwind.
Und als das Brod gebacken war,
Lag das Kind schon auf der Bahr
.     (aus „Des Knaben Wunderhorn“)

„Denn für dich ein Stück Brot erringen,
Das heißt Streikposten stehn,
Und große Generäle bezwingen,
und gegen Tanks angehen.
Mein Sohn, lass es dir von deiner Mutter sagen:
Auf dich wartet ein Leben, schlimmer als die Pest.
Aber ich habe dich nicht dazu ausgetragen,
Dass du dir das einmal ruhig gefallen lässt
.“ (Brecht, Wiegenlieder)

Generäle und Panzer besiegen wäre eine Kleinigkeit gegen das, was ...

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Von vorne XXXII

Tagesmail - Freitag, den 05. Juli 2019

Von vorne XXXII,

mit der Präsentation des Films „Elternschule“ hat die ARD ihren Bankrott erklärt. Den TV-Sport- und Zerstreuungsanstalten sollte man die Lizenz zum steuerfinanzierten Volks-Beflimmern entziehen. Kein Wort der Erklärung, kein Versuch des Einfühlens und Verstehens, kein Bericht über Reaktionen des Publikums auf den Film, keine Debatte der streitenden Parteien.

Das war das Ende der Aufklärung und der Beginn der offiziellen Volks-Verdummung. Die inoffizielle währet schon seit Jahrzehnten. Wie sie es nicht nötig haben, brandheiße Ereignisse – wie die Empörung der Jugend, die Verhaftung einer zur Verbrecherin erklärten Menschenretterin – zu debattieren, so haben sie es nicht nötig, diesen Höhepunkt der neutralen Weltgeist-Beobachtung direkt nach der Tagesschau auszustrahlen. Der Film wurde, nach dem obligaten Fußball-Vergnügen, erst nach 23.00 Uhr gezeigt. Die Zuschauerquote muss erfreulich niedrig gewesen sein. Das Volk sollte durch verstörende Schreikinder nicht aus dem Schlaf geschreckt werden.

Die Filmemacher blieben inkognito, gebärdeten sich als Inbegriff des kaltblütigen Hegel‘schen Weltgeistes. Ein wohlwollender FAZ-Beobachter der Beobachter sprach von „teilnehmender Beobachtung.“

„Wer offene Augen und Ohren hat, kann sich die Zusammenhänge an fünf Fingern abzählen und ein Urteil bilden, das die Regisseure Jörg Adolph und Ralf Bücheler eben nicht, wie es heute im Journalismus üblich ist, durch einen eigenen Kommentar vorgeben. Sie lassen die Dinge und die Beteiligten für sich sprechen. Man nennt das teilnehmende Beobachtung, klassische Dokumentarfilmschule.“ (FAZ.NET)

Was kann eine teil-nehmende Beobachtung sein, wenn eine emotionale Teilnahme verboten ist? Die Dinge sprechen für sich? In wie vielen verschiedenen ...

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Von vorne XXXI

Tagesmail - Mittwoch, den 03. Juli 2019

Von vorne XXXI,

plötzlich entdecken deutsche Medien, dass Talk-shows reglementierte Choreographien sind. Wunschteilnehmer werden in Vorgesprächen auf ihren zirzensischen Unterhaltungswert taxiert. Das gesellschaftliche Meinungsspektrum muss von der Gesprächsrunde in spannender Weise dargestellt werden. Wer zur Disputation dramaturgisch nichts beizusteuern verspricht, wird aussortiert.

Meinungszensur? Niemals! Man will nur sichergehen, dass man bestimmten Positionen kein „Forum bietet“. Doch halt: ist Forum kein Ort für Gespräche? Wie kann man jemanden ins TV-Studio einladen, ohne ihm eine öffentliche Bühne zu bieten?

„Forum (Kultur), ein realer oder virtueller Ort, wo Meinungen untereinander ausgetauscht werden können, Fragen gestellt und beantwortet werden können.“ (Wiki)

Staatsfromme TV-Sender scheinen zu befürchten, unliebsame Meinungen könnten so wortmächtig vertreten werden, dass sie das Publikum übermäßig in den Bann ziehen. Die Veranstalter trauen den anderen Disputanten anscheinend nicht zu, die Ausreißer mit seriösen Argumenten zu überzeugen oder zu „besiegen“. Das Publikum wird so verführbar eingeschätzt, dass es „populistischen“ Phrasen blindlings folgt.

Was bedeutet das? Die Gesellschaft muss in derart bedenklicher Verfassung sein, dass sie ihre demokratischen Prinzipien in Streitgesprächen nicht verteidigen kann.

Nach Markus Lanz, dem man inzwischen jede Moderatorenfähigkeit absprach, war Frank Plasberg fällig. Ein evangelischer Kirchentagspräsident hat ihn ...

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Von vorne XXX

Tagesmail - Montag, den 01. Juli 2019

Von vorne XXX,

„So hütet euch nun, daß ihr des Bundes des HERRN, eures Gottes, nicht vergesset, den er mit euch gemacht hat, und nicht Bilder machet irgend einer Gestalt, wie der HERR, dein Gott, geboten hat. Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott. Wenn ihr nun aber Kinder zeuget und Kindeskinder und im Lande wohnet und verderbt euch und machet euch Bilder irgend einer Gestalt, daß ihr übel tut vor dem HERRN, eurem Gott, und ihr ihn erzürnet: so rufe ich heutigestages über euch zu Zeugen Himmel und Erde, daß ihr werdet bald umkommen von dem Lande, in welches ihr gehet über den Jordan, daß ihr's einnehmet; ihr werdet nicht lange darin bleiben, sondern werdet vertilgt werden. Und der HERR wird euch zerstreuen unter die Völker, und wird euer ein geringer Haufe übrig sein unter den Heiden, dahin euch der HERR treiben wird.“

„So sollst du wissen heute, daß der HERR, dein Gott, vor dir her geht, ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vertilgen und wird sie unterwerfen vor dir her, und du wirst sie vertreiben und umbringen bald, wie dir der HERR geredet hat.“

Nein, das kann kein Killergott sein, der hier spricht. Sonst könnte Josef Joffe nicht an ihn glauben. Das muss, in wohlwollender Hermeneutik, ein liebender Erlösergott sein.

Ein echter Killergott klingt so: „Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten!“

Muslime lieben den Tod, Juden und Christen das Leben. Weshalb es heute eine christlich-jüdische Allianz gegen den infamen Islam gibt, obgleich alle drei Religionen totalitäre Zwangsbeglückungen sind. Was nicht bedeutet, dass die meisten Anhänger dieser Religionen potentielle Killer seien. Von winzigen Minderheiten abgesehen, ... 

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