Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt LII

Tagesmail - Freitag, den 14. Dezember 2018

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Katowice, die nächste Station der Todesprozession.

„Warum ist das so? Warum tun wir nichts?“ fragte eine TV-Moderatorin fassungslos, die einen Bericht über die erfolglose globale Umweltkonferenz in Polen anzukündigen hatte.

Welche Gazetten berichten über das Verhängnis auf der ersten Seite? Welche TV-Kanäle befinden sich bereits im permanenten Alarm-Modus? Haben schon alle Sendungen eine Dauereinblendung: „Wir nähern uns der 2-Grad-Erwärmung. Heute schon etwas für das Klima getan? Die Zukunft unserer Kinder ist gefährdet.“

Welche Gazetten haben ihre Reise-Empfehlungen ersatzlos gestrichen? Welche Politiker und Parteien werden auf ihre ökologische Kompetenz überprüft? AKK gilt bei den Gabor Steingarts dieser Republik als untauglich – weil sie noch nie in einem Betrieb gearbeitet habe. Ihr Umweltbewusstsein ist für harte Männer von keinem Interesse.

Die neue CDU-Chefin hat Probleme mit Homo-Ehen und Abtreibungen, mit der Abtreibung der Menschheit hat sie keine.

„Wir schaffen das“, sagte die Kanzlerin noch nie über die Verhinderung der Apokalypse, ein Begriff, der schon vor Jahrzehnten mit dem Gegenbegriff Alarmismus vom Erdboden vertilgt wurde. Eine Nation, die schon einmal die Apokalypse inszenierte, will nichts mehr von diesem verseuchten Thema hören.

Die Menschenrechte sind gefährdet. Über Naturrechte spricht niemand. Ohne Naturrechte aber keine Menschenrechte, denn ohne menschenfreundliche Natur keine Menschheit. Wer Menschen- ohne Naturrechte will, ist ein Phantast, wer Natur- ohne Menschenrechte, ist ein Menschenfeind.

Noch immer wollen die Medien sich mit dem Guten nicht gemein machen. Anja Reschke war die erste, die gegen das bodenlose Motto rebellierte. Doch ...

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Tagesmail - Mittwoch, den 12. Dezember 2018

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Todesstrafe für Klimaleugner – wie ein Musikprofessor forderte? Aber nein, das wäre ja Gewalt und verstieße gegen Recht und Moral – sagen die Leugner der Moral. Gewalt darf nur besitzen, wer Macht ausübt im Einklang mit der Geschichte, der Evolution, des Fortschritts und der Zukunft.

Mörderbanden der Mafia werden europaweit gejagt. Klimaleugnende Menschheitskiller hingegen sind respektable Mitglieder der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, Vertreter klimazerstörender Betriebe, neoliberale Hayekianer – im Nebenberuf Feinde der Demokratie, Gegner der EU, der UNO, der Migration und der freien Presse:

„Es ist kein Zufall, dass dieselben Menschen, die gegen Migration und freie Presse sind, auch Erkenntnisse zum Klimawandel bestreiten. „Die Klimaskeptiker bereiten den Boden, um die Agenda von Demokratiefeinden durchzusetzen: Sie stellen Demokratie, Institutionen wie die EU und die Vereinten Nationen in Frage.“ (Sueddeutsche.de)

Noch immer gibt es viele Hayek-Clubs, verstreut über die ganze Republik. Für Hayek, ihren bewunderten Patron, „der in seiner Jugend dem fabianischen Sozialismus anhing“, war Demokratie nur akzeptabel, wenn sie die Freiheit der Moneymaker höher einschätzte als die Rechte des Pöbels.

Diktatoren waren ihm willkommen, wenn sie seine neoliberale Wirtschaft einführten. Die Frage: Braucht eine freie Wirtschaft Demokratie, beantwortete er: „Demokratie viel weniger. Freiheit ja. Die Demokratie, manchmal ein vernünftiger Diktator, kann die persönliche Freiheit garantieren.“

Richtig gelesen: Freiheit ist nicht Demokratie, sondern Freiheit der Wirtschaftsgiganten, die in Diktaturen besser aufgehoben sein können als unter der Herrschaft des Mobs. Dies gelte auch für das klassische Athen, wo unter der ...

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Sofort, Hier und Jetzt L

Tagesmail - Montag, den 10. Dezember 2018

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Keine Endzeitstimmung! Trotz Frankreich, Belgien, Italien, Amerika, China, Russland, Brasilien, Polen, Ungarn, überhaupt der ganzen Welt. Deutschland ausgenommen.

Was haben Merkel, Hayek und Marx, christlicher Glaube, Neoliberalismus und Sozialismus gemeinsam? Alle drei sind Beruhigungs- und Betäubungsmittel für die Menschen. Die Guten werden kein böses, die Bösen kein gutes Ende erleben: also Mensch, werde gut.

Pech nur, dass in allen drei Religionen die Guten nicht aus eigener Kraft gut werden können: der Erlöser, der Markt oder das Sein – drei Begriffe für dasselbe – machen sie gut oder auch nicht.

„… nicht, dass wir von uns selbst aus tüchtig wären, etwas zu denken als aus uns selbst heraus, sondern unsere Tüchtigkeit stammt von Gott.“ „Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als das Vollbringen wirkt um seines Wohlgefallens willen.“

„Hayek bekennt sich ausdrücklich zu den zentralen moralischen Positionen des Christentums, in denen er jene Merkmale wiederfindet, die auch für eine freie, spontane Gesellschaft grundlegend sind. Wir Marktwirtschaftler haben noch eine Utopie zu bieten – der Kommunismus hat keine mehr.“ (H. J. Hennecke, Friedrich August von Hayek) Und dies, obgleich Hayek sonst jede Utopie als Hölle auf Erden verteufelt.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLIX

Tagesmail - Freitag, den 07. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIX,

was bleibt von Merkel? Eigenartige Frage. Was bleibt von DIR? Was bleibt von uns allen – ÜBRIG?

Ein Abgang in Würde. Warum kein Aufgang in Würde? Kein Gang der Menschheit, der Geschichte der Gattung in Würde? Ist Würde ein bloßes Abschiedsgeschenk, ein listiges Fortloben, eine letzte Aufforderung zu gehen?

Nekrolog zu Lebzeiten, die Königsdisziplin schreibender Zeitbeobachter. Mitten im Tumult: der Atem der Geschichte, der uns anhalten lässt – damit wir fortfahren wie bisher, nur fieberhafter und besinnungsloser.

„Was bleibt von“ will sagen: die Zeit der Kritik, der lästigen Auseinandersetzungen ist vorbei. Wir verlassen die demokratische Zone, die civitas terrena und betreten aufatmend den Tempel der Ewigkeit.

Wenn wir tot sind, für tot erklärt werden, nicht mehr präsent sind, keine Bedeutung und Macht mehr haben, fällt alle Erdenschwere und Fehlerhaftigkeit von uns ab. Das Leben ist befleckt, der Tod erst macht uns vollkommen. Wir aber wollen vollkommen sein.

Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh!
O Welt, du Marterkammer,
ach! bleib mit deinem Jammer
auf dieser Trauerwelt,
der Himmel mir gefällt,
der Tod bringt mich darzu.
Komm, selge Ruh!

Eine Vorahnung des süßen Todes, einen Abgang in Würde will die Kanzlerin. Demokratie ist für eine Gläubige der lächerliche Versuch, das Irdische mit Würde auszustatten. Das Tal der irdischen Mühen und Anfechtungen hat sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 05. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVIII,

Voraussetzung eines gebändigten Klimas ist – Frieden. Doch schon kehrt der Kalte Krieg zurück, um die Erde von Überflüssigen zu befreien, die den Übermenschen beim Sprung ins Universum im Wege stehen. Gibt es nicht viel zu viele nutzlose Kreaturen auf Erden, zu nichts anderem fähig, als Leben zu inhalieren und Tod auszuatmen? Wie viele Parasiten könnte ein Atominferno mit einem Befreiungsschlag von der Tenne fegen? Würde nach einer weltumfassenden Flurbereinigung die Natur nicht endlich wieder aufatmen?

„… mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Seid fruchtbar: immer, wenn der Mensch fruchtbar ist, geht’s der Natur an den Kragen. Des einen Zeugungskraft ist des andern Tod: § 1 der Heilsgeschichte.

Auftrag erfüllt, Herrschaft über die Erde übernommen – was jetzt?

Auftrag übererfüllt, die Erde muss wieder gereinigt werden von Ballast, der der Natur die Haare vom Kopf frisst.

Sinn der Geschichte ist Herrschaft übernehmen?

Sinn der Geschichte ist Natur unterjochen?

Sinn der Geschichte ist die Despotie des Menschen, nein, des Mannes, über alles, was ihm ebenbürtig oder überlegen sein will?

Am Anfang aller Schöpfungsmythen steht das Weibliche, die gebärende Mutter, die Gebärmutter: Dunkelheit, Flüssigkeit, Fließen, Stampfen und Rühren, Blut ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVII

Tagesmail - Montag, den 03. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVII,

„Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg ist in den vergangenen Monaten zu einer Galionsfigur der Klimabewegung geworden: Im August hat sie beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen, bis ihr Land die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt. Mit einem Plakat, auf dem „Schulstreik für das Klima“ stand, setzte sie sich wochenlang vors schwedische Parlament. Das hat viele Menschen beeindruckt und inspiriert.

Was rätst du jedem einzelnen, der das Klima schützen will?

Informiere dich, bilde dich weiter, versuche, die Klimakrise zu verstehen. Sprich mit anderen, trage die Botschaft weiter, fordere, dass etwas dagegen getan wird. Im Alltag solltest du vegan leben, nicht mehr fliegen und Auto fahren und weniger konsumieren.“ (Jetzt.de)

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr bald die Erde verlieren und dort landen, wo ihr schon immer hinwolltet – im Nichts eurer Jenseitsvorstellungen.

Kinder, rund um die Erde, sind die einsichtigsten und entschlossensten, die hellsichtigsten und vernünftigsten menschlichen Wesen, die wissen, was die Uhr geschlagen hat: Es geht um ihre Zukunft.

Alle Politklassen, alle Eliten, alle Erwachsenen, die Hier und Jetzt nicht alles tun, was in ihren Kräften steht, um die Endkatastrophe abzuwenden, sind nicht nur Menschheitskiller, sondern finale Mörder aller nachkommenden Generationen – die sie selbst gezeugt haben.

Die totalitären Völkervernichter der Vergangenheit wären Waisenknaben, verglichen mit den Menschheitsverderbern der Gegenwart.

Da streiten sie sich, ob Embryos im Labor nach Wunsch gezüchtet werden können, während allen Kindern die Überlebenschancen genommen werden.

Da streiten sie, wie Kinder erzogen werden sollen: auf keinen Fall überbehütet, damit sie sich schnell lösen können von verlässlichen Beziehungen, um irgendwo ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVI

Tagesmail - Freitag, den 30. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVI,

wer keine Zeit für nervende Themen hat, sich im Erfolgsrausch sein Lebensglück nicht vergällen lassen will: bitte den ersten Abschnitt überschlagen und atemlos durch Nacht und Tag weiterrasen – im Tiefschlaf.

„Die Natur stirbt – und die Welt schaut weg. Der Planet befinde sich in einem "desaströsen Zustand", stellte das Plenum der Weltnaturschutzkonferenz fest. Obwohl es um den Schutz der Lebensgrundlagen ging, bekam der zweiwöchige Gipfel von 196 Staaten kaum Aufmerksamkeit.“ (SPIEGEL.de)

Zeit, um schwarze Listen zu erstellen mit allen Denkweisen globaler Menschheitskiller.

An erster Stelle die Verleumder der Sinneswahrnehmung. Wer nichts sieht, kann keine Katastrophen erkennen.

Dann die Verwandler der Welt in eine fremde, feindliche und minderwertige, die überwunden und vernichtet werden muss

- und der Degradierung der Natur in Schöpfung, wodurch sie „ihr Eigenleben verlor“. Leben verlieren, heißt sterben.

Schließlich die Schöpfungsanbeter und -bewahrer, die die Natur mit einem ewigen Fluch belegten

- und die Erfinder einer Heils- und Unheilsgeschichte, die durch Fortschritt in Realität verwandelt wurde. Ein Glaube eroberte die Welt, um sie zu verderben.

 Kurz:

„Mit dem Christentum ist die Welt als Fremde verbunden. Das führt zur Abwertung der Sinne und all dessen, was sie mit natürlichen Fähigkeiten wahrnehmen. Natur wird zur Schöpfung. Das Tun der Menschen bleibt auf den Willen des Schöpfers gerichtet. Die Natur verliert ihr Eigenleben und wird, da sie keine mehr ist, mit einem ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLV

Tagesmail - Mittwoch, den 28. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLV,

„Es ist absurd. Es gibt kein Gespräch mit Parteioberen über die Stiftung, in dem deren Zustand nicht beklagt und die Notwendigkeit einer Reform nicht gesehen würde. Zugleich gibt es keine Anstalten der Parteioberen, etwas zu ändern. Denn es würde Konflikt bedeuten, Kampf gegen die alten Strukturen, Ärger mit den alten Genossen. So desolat die Wahl- und Umfrageergebnisse sind, für die Parteioberen sind sie weit weg, solange die SPD noch regiert und Minister und Referenten und Dienstwagen hat. Zu weit weg, als dass sie für die Parteioberen die Mühsal eines Konflikts lohnten – so schlimm kann es doch nicht stehen. Doch, SPD, es steht so schlimm. Und ohne Nachdenken wird es nicht besser.“ Schreibt Bernhard Schlink in SPIEGEL.de.

Schriftsteller Schlink hat der SPD das Todesurteil ausgesprochen. Ohne Nachdenken werde es nichts mit der Partei – und Denken ist heute in keiner politischen Gruppierung möglich. Wer einer Partei beitritt, will handeln, aktiv sein, Entscheidungen treffen – okay, zumeist im Als-ob-Status. Denken aber will er auf keinen Fall. Kann er auch nicht, denn er will Macht erringen.

Macht und Denken schließen sich aus. Eine Partei kann erst entstehen, wenn ein Kollektiv grundsätzliche Denkpositionen abgeschlossen hat, um sie in tägliche Politik umzusetzen.

Macht und Denken schließen sich aus? Macht muss Menschen für sich gewinnen, indem sie tut, als ob sie deren Meinungen teilte, ja, besser wüsste, was jene denken als sie selbst.

Heute hat sich die Situation verschärft, da jede Partei mit jeder anderen koalitionsfähig sein muss und niemand mehr hoffen darf, eine absolute Mehrheit zu erringen, die ihn unabhängig machen würde von rivalisierenden Positionen. In Darstellungen griechischer und moderner Philosophie sucht man den ...

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